#nowreading Jonathan Safran Foer: Tiere essen

Category: Amerikanische Literatur

David Foster Wallace: Das hier ist Wasser. / This is Water.

Posted on Juli 29th, by Frau Erdnussbutter in Amerikanische Literatur, Lieblingsstücke, Philosophie. No Comments

Ein nicht so stilles Wasser mit beeindruckendem Tiefgang.

Auf der Hamburger Schanze stieß ich auf einen Buchladen, der mich mit einer außergewöhnlich Leseauswahl überraschte. Eines dieser Bücher nahm ich mir für ein wenig Zwischendurchlesen mit, ihr wisst schon, diese Haltestellenmomente, in denen man zwischen A und B hängt (normalerweise gibt es hier nur die Optionen 1. Rauchen, 2. Smartphone fixieren, 3. Menschen fixieren, 4. Löcher in die Luft starren).

David Foster Wallaces Das hier ist Wasser/This is water war dieses “Zwischenbuch”, das ich mir mit nur kurzem Hinschauen gönnte (mal wieder meine Cover-Fixiertheit). Ein roter Störer weist darauf hin, dass es zum Denken anstiftet.
Mit Wallace hatte ich bereits eine literarische Begegnung, die jedoch nur andauerte, bis ich bei der Hälfte kapitulierte. Denn das Buch verwirrte mich und meinen Kopf zunehmend – irgendwann werde ich dem Kleinen Mädchen mit komischen Haaren aber wieder eine Chance geben. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mein erster flüchtiger Blick mich an Jonathan Safran Foers denken ließ, sonst hätte ich das Buch nach meiner ersten Leseerfahrung mit Wallace gar nicht mitgenommen. Doch wie sich herausstellte, hat es das Leseschicksal gut mit mir gemeint.

Das hier ist Wasser ist keine Belletristik im klassischen Sinne. Es ist eine … Read More »


Jonathan Safran Foer: Extrem laut und unglaublich nah

Posted on September 30th, by Frau Erdnussbutter in Amerikanische Literatur, Drama, Gegenwartsliteratur. 3 comments

Wer zwischendurch in ein leichtes Buch hineinschmökern möchte, sollte dieses schleunigst zuklappen und lieber Tommy Jaud lesen. Wer Tragik und Komödie recht undramatisch, aber wunderschön vereint verträgt, den Kopf auf Neues konzentrieren mag und Philosophie in ihrer schönsten Form liebt, loslesen.

Nun habe ich es endlich gelesen, mein (und auch sein) zweites Buch von Jonathan Safran Foer. Nach “Alles ist erleuchtet” machte ich mich auch wieder auf ein interessantes, brillantes Werk gefasst. Ich wurde nicht enttäuscht.

Auch diesmal verknüpft Foer eine gedankliche Reise mit einer tatsächlichen, physischen Suche, verflicht beides zu einem nachdenklichen, traurigschönen Wörterwerk.

Der Halbwaise Oskar ist auf der Suche. Ein Thema, das sich wie ein Faden durch das Buch und New York zieht. Zwischen all den Dingen, die sein Vater nach seinem Tod hinterließ, befand sich auch eine blaue Vase, in ihrem Inneren ein Schlüssel. Wohin dieser Schlüssel passt, möchte Oskar nun wissen. Und begibt sich auf die schier unmögliche Suche nach dem zugehörigen Schloss.

Einem Hinweis schließlich kann er folgen: Auf dem Briefumschlag, der den Schlüssel beherbergte, steht schlicht und einfach Black. 472 Blacks gibt es in New York und Oskar gedenkt, sie alle zu besuchen.

Er ist ein seltsames Kind. Nicht zuletzt, weil sich sein Vater zum schlechtesten Zeitpunkt im World … Read More »


Matt Ruff: Ich und die anderen

Posted on April 23rd, by Frau Erdnussbutter in Amerikanische Literatur, Gegenwartsliteratur, Psychologie, Rezension. 1 Comment

Ein wahrhaft komplexes Thema in einer leicht wirkenden Verpackung. Einfach zu lesen, spannend bis zur letzten Seite, aber auch nervenaufreibend und zwischendurch erschreckend tragisch.

Nach dem Umblättern der Schlussseite musste ich erst einmal innehalten. Ich und die anderen ist kein Buch, das sich so einfach verdauen lässt. Es kommt in einer leichten, abgeklärten Sprache daher, ist klar verständlich, auch die komplexen Personengeflechte sind schnell begriffen – doch der gewichtige Inhalt beschäftigt gerade durch sein leichtfüßiges Auftreten.

Man kennt es von Filmen wie “Identität” oder “A beautiful mind”, dass die Geschichte von hinten aufgezogen wird: Mehrere Charaktere teilen sich die Bühne, am Ende wird jedoch klar, dass sie zu ein und derselben Person gehören. Doch hier ist es genau umgekehrt. Die ersten Seiten stellen sofort klar: Ich bin ein Multipler, so bin ich es geworden und so gehe ich mit meinen verschiedenen Persönlichkeiten um.

Trotzdem mangelt es nicht an Spannung. Denn Andy auf seinem Weg zu begleiten, nach und nach seine Geschichte zu erfahren und seine verschiedenen Persönlichkeiten kennenzulernen, ist, wie schon der Klappentext verrät “ein irrer Trip durch die menschliche Psyche”.

Andys Kindheit birgt so schreckliche Erlebnisse, dass sein Geist an den Rand des Wahnsinns getrieben wurde – ein Vorgang, den er mit dem … Read More »


Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger. Life of Pi.

Posted on März 5th, by Frau Erdnussbutter in Abenteuer, Amerikanische Literatur, Rezension. No Comments

Grausam und gewitzt zugleich. Ein Buch, das man nicht eher aus der Hand legt, als bis man die letzte Seite erreicht hat.

Was schreibt man zu einem Buch, das gerade erst kürzlich durch seine Verfilmung die Kinokassen erbeben ließ und in allen Medien bereits von allen Seiten beäugt wurde? Zuerst einmal muss ich wohl ein Geständnis loswerden: Ja, ich habe das Buch erst nach dem Film gelesen. Und, ja, ich hatte zuvor nicht einmal den Hauch einer Ahnung von seiner Existenz.

In den Film musste ich fast gezerrt werden, denn der (völlig falsch inszenierte) Trailer hatte in mir böse Zweifel geschürt, einem Bollywoodklischeestück aufzulaufen, voller Airbrush-Technik und Fantasiegestalten, die sich halluzinogen am nächtlichen Ozeanhimmel auftürmen. Doch dann war ich angenehm überrascht, von einem amelieartigen Auftakt, einer spannenden Geschichte und einer interessanten Moral. So sehr, dass ich unbedingt das Buch lesen wollte.

Piscine nennt sich kurz Pi. Dieses “nennt sich” ist nicht eine Floskel, sondern bitterer Ernst – rezitiert er doch bei jeder Kassenvorstellung unendliche viele Nachkommastellen derselbigen Zahl, um seinen Mitschülern die Kurzform einzuhämmern. So klar die Vorstellungen von seiner Namensgebung sind, für eine Religion mag sich Pi nicht entscheiden. So ist er praktizierender Moslem, Buddhist und Christ und zieht aus allen Glaubensrichtungen … Read More »


Michael Stackpole: Das verlorene Land

Posted on Februar 16th, by Frau Erdnussbutter in Amerikanische Literatur, Fantasy, Rezension. No Comments

Ein langsamer Auftakt, eine ewige Ouvertüre in der weiten Fantasywelt. Für echte Fans bestimmt ein Genuss, für alle anderen ein Versuch.

Diese Rezension fällt mir nicht leicht. Stackpole wurde mir von einem bekennenden Fantasyfreund ans Herz gelegt und ich hatte dementsprechend große Erwartungen. Doch leider, und das muss ich vorweg nehmen, hat mich die halbe Trilogie nicht gefesselt.
Warum halb? Die Saga um das verlorene Land erstreckt sich über drei Bücher. Andere Rezensionen dichteten dem erzählerisch langgezogenen ersten Band einen fulminanten Cliffhanger an - und dem war auch so. Danach sollte sich die Trilogie so richtig entfalten und an Fahrt gewinnen. Euphorisch habe ich mir dann auch die beiden Folgebände zugelegt.

Doch erst nach ein paar gequälten hundert Seiten merkte ich, dass nicht eine plötzlich auftretenden Leseunlust an meinem abbremsenden Lesetempo schuld war, sondern schlichtweg der Inhalt, der mich nicht zu packen vermochte.

Schweren Herzens habe ich mich dann aus dem zweiten Teil verabschiedet (ich komme mir dabei immer wie ein absoluter Verräter vor) und beschlossen, in andere Buchstabenwelten einzutauchen. Hat übrigens wunderbar funktioniert, also nichts mit Lesefrust.

Seltsam ist diesmal, dass ich das Buch so einfach nicht verteufeln kann. Die Sprache schwebt zwischen solide bis schön, was man ja den meisten Fantasywerken eben nicht zuschreiben kann. Auch … Read More »


George R.R. Martin: Der Sohn des Greifen (9)

Posted on Oktober 10th, by Frau Erdnussbutter in Amerikanische Literatur, Fantasy, Game of Thrones, Rezension. No Comments

Wieder nur ein Auftakt. Erzählstränge werden begonnen und Charaktere vermisst. Unentbehrlich, um weiter zu lesen, aber ansonsten eher mittelmäßig (auf der Martin-Skala).

Zu Rechtschreib- und Stilfragen sage ich erstmal nichts, das haben andere schon zur Genüge getan. Wichtiger ist mir bei diesem Band das Auseinanderklamüsern des Inhalts.

Einen interessanten Perspektivenwechsel vollführt die Geschichte gleich am Anfang, als Sams Erlebnisse nochmal aus Jons Sicht beschrieben werden. Ein kleiner Aha-Effekt, der typisch Martin ist. Das ganze Buch dreht sich diesmal stark um Charaktere, die mit ihren Entscheidungen ganz auf sich allein gestellt sind, dazu gehört auch Jon, der einsame Kommandant der Nachtwache. Nun kreuzt auch die “Rote Hexe” Melisandre seinen Weg und hoch oben im eisigen Norden prallen zum ersten Mal Eis und Feuer  aufeinander. Auch Davos tritt nach wie vor als Stannis grundloyaler Gefährte auf, die Geschichte entwickelt sich hier solide und ohne größere Höhepunkte. Anders bei Bran, bei dem zwar nicht besonders viel passiert, der aber endlich seiner Bestimmung näher kommt.

Tyrion befindet sich auf einer erstaunlich zielgerichteten Flucht, bei der einige interessante Charaktere seinen Weg kreuzen. Man wartet nur darauf, dass er endlich auf Daenerys trifft und die Geschichte, die in den Sklavenländern vor sich hinlümmelt endlich in Schwung bringt…

Dann ist da natürlich noch die Figur, die dem … Read More »


T.C. Boyle: Schluss mit cool

Posted on August 16th, by Frau Erdnussbutter in Amerikanische Literatur, Gegenwartsliteratur, Kurzgeschichten, Rezension. No Comments

Portionierte Freakshow mit Amerikas Eigenheiten und gesellschaftlichen Abgründen. 

Ich mag ihn einfach, diesen Thomas Coraghessan Boyle mit seinem seltsamen Namen, der wie die Faust aufs Auge passt. Er schreibt abgrundtief ehrlich, setzt gezielt seine Spitzen und belichtet die Wahrheit schonungslos über – ohne dabei pessimistisch zu sein.

Der besondere Satz:

Meine Hände fühlten sich groß und ungelenk an, als hätte man sie mir erst beim Hereinkommen an die Arme getackert, und das Sportjackett flatterte mit den Schößen und bohrte mir seine Klauen in den Nacken.

In “Schluss mit cool” reihen sich Kurzgeschichten auf, die mal bürgerliche Schicksale, mal düstere Zukunftsvisionen heraufbeschwören. Wie das bei solchen Sammlungen ist, gibt es auch hier Lieblinge und Pflichtlektüre.

In Torschlusspuder nimmt eine mitleidig-belächelten Schwärmerei mit kleinbürgerlichen Romantik-Attitüden plötzlich eine überraschende Wendung. In Nicht zimperlich verteilt sich die Dominanz in einer Beziehung plötzlich neu – und endet bitterböse. Guten Flug: Eine lästige Flugreise macht die Protagonistin für die berüchtigten 10 Minuten zur Überheldin, nach der Landung ist jedoch wieder alles wie zuvor, das Leben geht weiter.

Manchmal ahnt man das eigentlich überraschende Ende schon im Voraus, gerade weil sich dieser kleine Dreh zum Schluss als durchgehendes Stilmittel zeigt. Mit satirisch-bösen Stichen punktiert Boyle das Bild vom amerikanischen Gutbürger. Er zeigt, wie aus einem … Read More »


James Sallis: Drive

Posted on Dezember 22nd, by Frau Erdnussbutter in Amerikanische Literatur, Rezension. No Comments

Wer jetzt meint, die Lesebestie habe meine Disziplin genüsslich verschlungen, irrt sich. Zumindest teilweise, denn das Lesen war nicht das Problem, aber beim Rezensieren haperte es gewaltig. Daher folgen jetzt in Kürze, ganze fünf Rezensionen aufeinander. Ich sag mal: geschenkt! Jetzt, wo doch bald Weihnachten ist..

Den Auftakt macht ein junger Mann, der diesen Monat in den deutschen Kinos aufschlagen und außerdem noch als neuer Alain Delon gehandelt wird. Die Rede ist von Ryan Gosling, der den “Driver” verkörpert. Nein, wir stürzen uns jetzt nicht Hals über Kopf in eine Filmrezension (nur ein wenig), aber tatsächlich war es der Film, der mich ursprünglich in Fahrt brachte. In einem französischen Kino vor nicht allzu langer Zeit saß ich mit offenem Mund und gebanntem Blick 100 Minuten vor der Leinwand und verfolgte den Helden, der sich selber nur, den Driver nannte. Fiel in der Originalversion natürlich nicht auf, beim Lesen des deutschen Titels stolperte ich aber jedesmal darüber. Natürlich klingt “der Fahrer” nicht sonderlich eloquent, aber seinen Protagonisten “den Driver” zu nennen, das mutet ja fast nach amerikanischem Trailer Park-TV an.
Aber soweit war ich dort im dämmrigen Leinwandlicht noch garnicht. Hier war ich noch ziemlich begeistert von Goslings kleiner Meisterleistung, mit wenigen Worten … Read More »