#nowreading Jonathan Safran Foer: Tiere essen

Category: Philosophie

David Foster Wallace: Das hier ist Wasser. / This is Water.

Posted on Juli 29th, by Frau Erdnussbutter in Amerikanische Literatur, Lieblingsstücke, Philosophie. No Comments

Ein nicht so stilles Wasser mit beeindruckendem Tiefgang.

Auf der Hamburger Schanze stieß ich auf einen Buchladen, der mich mit einer außergewöhnlich Leseauswahl überraschte. Eines dieser Bücher nahm ich mir für ein wenig Zwischendurchlesen mit, ihr wisst schon, diese Haltestellenmomente, in denen man zwischen A und B hängt (normalerweise gibt es hier nur die Optionen 1. Rauchen, 2. Smartphone fixieren, 3. Menschen fixieren, 4. Löcher in die Luft starren).

David Foster Wallaces Das hier ist Wasser/This is water war dieses “Zwischenbuch”, das ich mir mit nur kurzem Hinschauen gönnte (mal wieder meine Cover-Fixiertheit). Ein roter Störer weist darauf hin, dass es zum Denken anstiftet.
Mit Wallace hatte ich bereits eine literarische Begegnung, die jedoch nur andauerte, bis ich bei der Hälfte kapitulierte. Denn das Buch verwirrte mich und meinen Kopf zunehmend – irgendwann werde ich dem Kleinen Mädchen mit komischen Haaren aber wieder eine Chance geben. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mein erster flüchtiger Blick mich an Jonathan Safran Foers denken ließ, sonst hätte ich das Buch nach meiner ersten Leseerfahrung mit Wallace gar nicht mitgenommen. Doch wie sich herausstellte, hat es das Leseschicksal gut mit mir gemeint.

Das hier ist Wasser ist keine Belletristik im klassischen Sinne. Es ist eine … Read More »


Miriam & Ezra Elia: Das Tagebuch von Edward dem Hamster, 1990 – 1990

Die ganze Dramatik von Shakespeare, große Liebe, herbe Enttäuschungen und existenzielle Philosophie… alles in einem kleinen Buch, das ich euch hiermit wärmstens ans Herz lege.

Heute möchte ich eine Rezension über dieses wunderbare Büchlein schreiben, das mir gestern in die Hände fiel und mehr als ein hervorragendes Betthupferl wurde. (Anm. d. Red.: Und das in der Geschenkeabteilung, wo doch jeder weiß, dass die Literatur hier auf dem Boden des Niveaus kratzt. Es geschehen noch Wunder.)

Edward ist eine tragische Persönlichkeit. Eine Tragik, die ihn weiß Gott wohin geführt hat. Übrig geblieben ist auf jeden Fall nur sein Tagebuch, in dem wir nun das Vergnügen haben, zu schmökern.

Edward ist ein großer Denker und wie es so bei diesen Ego-Philosophen ist, setzen ihm Gitterstäbe, ob real oder metaphorisch, arg zu. So philosophiert, leidet, dramatisiert, verleugnet und euphorisiert Edward munter in seinem kurzen Leben und auf diesen wenigen Seiten. Und es ist ein ganz herausragendes Vergnügen ihm dabei zu folgen.

Edward ist ein Hamster, aber kein gewöhnlicher.

Neben seinen Tagebucheinträgen verblasst jeder ambitionierte Twitter-Philosoph. Genau genommen ist Edward Shakespeare in Kurzform, perfekt verdichtet. Ich muss zugeben, dass es schon lange kein Buch mehr geschafft hat, mich in so kurzer Zeit zu Lachen, Schmunzeln und Beileidsbekundungen zu bringen.

Edward ist … Read More »


Richard David Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Posted on November 10th, by Frau Erdnussbutter in Allgemein, Philosophie, Psychologie, Rezension, Sachbuch. No Comments

“Eine faszinierende Reise in die Welt der Philosophie”, so wird Prechts Buch allerorts angepriesen. Ich möchte das “faszinierend” durch “schnell” ersetzen und vor “Reise” ein fettes “Kurz” stellen.

Ich frage mich nur, was ist der Sinn solcher Werke? Es ist ja löblich, dass Precht versucht, die Philosophie, in Verbindung mit Erkenntnissen der Hirn- und Verhaltensforschung, jedem nahezubringen, doch was wird letztendlich damit erreicht? Vieles wird angesprochen, im Gröbsten angerissen und der fälschliche Eindruck erweckt, nach dieser Lektüre bestens bewandert auf allen Gebieten zu sein.

Was kann ich wissen, was soll ich tun und was darf ich hoffen? Mit diesen Fragen wird das Buch dreigeteilt. Systematisch geht Precht an das Sezieren der einzelnen Themen. Schnell, anschaulich und wortgewandt bringt er sie auf den Punkt. Was durch dieses rasante Verfahren verloren geht, ist der wichtigste Teil der Philosophie an sich: die gedankliche Auseinandersetzung und schließlich die Erkenntnis selbst.

Das Buch ist für mich daher ein nichtgelungener Spagat zwischen der Herausforderung, die großen Fragen des Lebens einem breiten Publikum verständlich zu machen und dem Anspruch auf Vollständigkeit.

Ich möchte trotzdem eine Lanze für den Autor brechen, weil er es versucht, es meiner Meinung nach aber schlichtweg nicht möglich ist. Hier stellt sich natürlich die Frage, warum dann … Read More »


Muriel Barbery: Die letzte Delikatesse

Posted on Mai 24th, by Frau Erdnussbutter in Französische Literatur, Philosophie, Poesie, Rezension. 1 Comment

Das Leben in all seinen leckeren Facetten. Vor allem für Gourmets eine kleine Köstlichkeit.

Nun habe ich mich auch an Barberys Debütroman gewagt und traf wieder auf einige alte Bekannte aus Die Eleganz des Igels.

Hochphilosophisch beschäftigt sich die Autorin auch diesmal mit dem Protagonisten, hier einem sterbenden Restaurantkritiker, dem verblassenden Mega-Stern am Pariser Gourmethimmel. Es trieft vor philosophisch schweren Gedanken, wechselnd zart und zäher Geschmackspoesie.

Er selber ist auf der Suche nach dem einzig wahren Geschmack, der letzten Delikatesse, die sich doch irgendwo im Fundus seiner jahrzehntelangen Erfahrungen finden muss. Worin gipfelt seine ewige Suche? In seiner Verzweiflung ist es das letzte, das ihn noch vom Sterben abhält. Eigentlich ein sehr schöner Gedanke.

Auch charmant ist die wechselnde Betrachtung, die Barbery in ihrem Folgeroman beibehält. Es erzählen immer wieder andere von dem sterbenden Gourmet. Seine Kinder, seine verschmähte Frau, seine unerfüllte Geliebte. Die zwiegespaltene Concierge, der träge Kater. Und jeder einzelne hat ein anderes Bild von ihm, das sich am Ende zu einem ganzen zusammenfügt.

Der besondere Satz:

“Er hört mir mit großer Aufmerksamkeit zu, und ich entdecke an ihm diese bei den Machtmenschen seltene Gabe, die einen erkennen läßt, wann die Parade aufhört, die Konversation, bei der jeder nur sein Gebiet markiert und seine … Read More »


Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels

Posted on April 18th, by Frau Erdnussbutter in Französische Literatur, Philosophie, Poesie, Rezension. 1 Comment

Ein berührendes Buch: Paris und Japan treffen aufeinander, Feingeist auf Bourgeoisie. Eine Concierge, die ihren Intellekt zu verstecken sucht und ein 12-jähriges Mädchen, zum Selbstmord entschlossen, weil sie sich ihrem vorgeschriebenen Schicksal nicht ergeben will.

Zunächst einmal, darf ich vorstellen, noch ein kleines, feines Sahnehäubchen für meinen Blog, der besondere Satz. In jedem Buch gibt es ihn, diesen einen Satz, der zwischen Anfang und Punkt die Essenz des Ganzen enthält. Sei es noch so furchtbar und unlesbar (dann ist es eben ein besonders schlechter Satz). Daher werde ich euch in Zukunft dieses Kleinod nicht vorenthalten.

Und gleich vornweg: der Vorführeffekt. Schon lange habe ich nicht mehr so viele Eselsohren produziert wie bei Der Eleganz des Igels. Daher mein Dilemma, für einen einzigen Satz konnte ich mich schlussendlich nicht entscheiden.

Der besondere Satz, Nummer 1: 

“Von einem, der auszog, einer neckischen Anprobesitzung von schicken Dessous beizuwohnen, und der auf Feindesgebiet landet, mit dreißig Weibern in Trance, die ihm auf den Füßen herumtrampeln und ihm vernichtende Blicke zuwerfen, wo auch immer er seinen sperrigen Männerkorpus abzustellen versucht.”

Witzig? Skurril. Ein besonders langer, besonders verschlungener und spitzer Satz, der bissig die Pariser Oberklasse kommentiert.

Soweit zum Igel und nun zur Eleganz.

Der besondere Satz, Nummer 2:

“Ich habe so … Read More »