#nowreading Jonathan Safran Foer: Tiere essen

Category: Gegenwartsliteratur

Haruki Murakami: Gefährliche Geliebte

Posted on März 2nd, by Frau Erdnussbutter in Drama, Gegenwartsliteratur, Japanische Literatur, Liebesgeschichte, Poesie. 2 comments

Eine lange Novelle, die auch heute noch Gegenwarts- oder sagen wir Zeitlosliteratur ist. Für alle, die in Murakamis Wurzeln schwelgen möchten.

Gefährliche Geliebte durfte ich glücklicherweise in einer der schönsten Gegenden unserer Erde lesen. In die Szenerie von Palmenrauschen, Sonnenuntergang und Meeresduft hat dieses leichte, galante Werk ein kleines besonderes Etwas gebracht.

Das ganze Buch ist wie eine lang währende Kurzgeschichte, ein schattenhafter Schemen im Leben des Protagonisten, der in eine entscheidende, bedeutungsvolle Wende mündet.
Hajime hat schon in frühen Jahren eine schicksalhafte Begegnung in Gestalt eines hinkenden Mädchens. Shimamoto wird seine Kindheitsfreundin mit der ihn ein schwer fassbares Band verbindet. Eine Freundschaft, die nach seinem Umzug an einer unbarmherzigen Entfernung zerbricht.
Hajimes Leben nimmt seinen eigenen Gang, vorbei an ersten Liebschaften über eine halbherzige Ehe hin zu einer erfolgreichen Selbständigkeit als Barbesitzer. Diesen Schauplatz, untermalt von Ellingtons Star-crossed Lovers betritt Shimamato, aufrecht gehend und wunderschön. Wie zu erwarten, gerät damit Hajimes Leben aus den Fugen.

Eine Handlung, die eigentlich keine besondere ist. Doch was das Buch zu etwas besonderem macht, ist nicht der Inhalt, sondern die Weise, wie er Form annimmt. Dabei schwelgt Murakami nicht unbedingt in einer unerträglichen Blumigkeit, sondern zelebriert vielmehr eine minimalistische Art der Beschreibung. Nur bestimmte Facetten fasst er in Worte, … Read More »


Jonathan Safran Foer: Extrem laut und unglaublich nah

Posted on September 30th, by Frau Erdnussbutter in Amerikanische Literatur, Drama, Gegenwartsliteratur. 3 comments

Wer zwischendurch in ein leichtes Buch hineinschmökern möchte, sollte dieses schleunigst zuklappen und lieber Tommy Jaud lesen. Wer Tragik und Komödie recht undramatisch, aber wunderschön vereint verträgt, den Kopf auf Neues konzentrieren mag und Philosophie in ihrer schönsten Form liebt, loslesen.

Nun habe ich es endlich gelesen, mein (und auch sein) zweites Buch von Jonathan Safran Foer. Nach “Alles ist erleuchtet” machte ich mich auch wieder auf ein interessantes, brillantes Werk gefasst. Ich wurde nicht enttäuscht.

Auch diesmal verknüpft Foer eine gedankliche Reise mit einer tatsächlichen, physischen Suche, verflicht beides zu einem nachdenklichen, traurigschönen Wörterwerk.

Der Halbwaise Oskar ist auf der Suche. Ein Thema, das sich wie ein Faden durch das Buch und New York zieht. Zwischen all den Dingen, die sein Vater nach seinem Tod hinterließ, befand sich auch eine blaue Vase, in ihrem Inneren ein Schlüssel. Wohin dieser Schlüssel passt, möchte Oskar nun wissen. Und begibt sich auf die schier unmögliche Suche nach dem zugehörigen Schloss.

Einem Hinweis schließlich kann er folgen: Auf dem Briefumschlag, der den Schlüssel beherbergte, steht schlicht und einfach Black. 472 Blacks gibt es in New York und Oskar gedenkt, sie alle zu besuchen.

Er ist ein seltsames Kind. Nicht zuletzt, weil sich sein Vater zum schlechtesten Zeitpunkt im World … Read More »


Matt Ruff: Ich und die anderen

Posted on April 23rd, by Frau Erdnussbutter in Amerikanische Literatur, Gegenwartsliteratur, Psychologie, Rezension. 1 Comment

Ein wahrhaft komplexes Thema in einer leicht wirkenden Verpackung. Einfach zu lesen, spannend bis zur letzten Seite, aber auch nervenaufreibend und zwischendurch erschreckend tragisch.

Nach dem Umblättern der Schlussseite musste ich erst einmal innehalten. Ich und die anderen ist kein Buch, das sich so einfach verdauen lässt. Es kommt in einer leichten, abgeklärten Sprache daher, ist klar verständlich, auch die komplexen Personengeflechte sind schnell begriffen – doch der gewichtige Inhalt beschäftigt gerade durch sein leichtfüßiges Auftreten.

Man kennt es von Filmen wie “Identität” oder “A beautiful mind”, dass die Geschichte von hinten aufgezogen wird: Mehrere Charaktere teilen sich die Bühne, am Ende wird jedoch klar, dass sie zu ein und derselben Person gehören. Doch hier ist es genau umgekehrt. Die ersten Seiten stellen sofort klar: Ich bin ein Multipler, so bin ich es geworden und so gehe ich mit meinen verschiedenen Persönlichkeiten um.

Trotzdem mangelt es nicht an Spannung. Denn Andy auf seinem Weg zu begleiten, nach und nach seine Geschichte zu erfahren und seine verschiedenen Persönlichkeiten kennenzulernen, ist, wie schon der Klappentext verrät “ein irrer Trip durch die menschliche Psyche”.

Andys Kindheit birgt so schreckliche Erlebnisse, dass sein Geist an den Rand des Wahnsinns getrieben wurde – ein Vorgang, den er mit dem … Read More »


Sylvain Mazas: Dieses Buch sollte mir gestatten, den Nah-Ost-Konflikt zu lösen, mein Diplom zu kriegen und eine Frau zu finden.

Posted on März 9th, by Frau Erdnussbutter in Deutsche Literatur, Gegenwartsliteratur, Lieblingsstücke, Rezension. 6 comments

Sylvains Ziele passen auf einen Buchdeckel, genauer gesagt, auf den Titel seiner Diplomarbeit. Unfassbar charmant beschreibt er den Nah-Ost-Konflikt in einfachen Worten und klugen Illustrationen.

Beim Stöbern in dem grandiosen Sortiment von Cohen+Dobernigg kam meine Leidenschaft für schöne Buchgestaltungen wieder zutage. Komischerweise lag ich damit bisher nur einmal falsch. Hier lag also dieser kleine schwarzweiße Band in fester Pappe, schon fast handgemacht. Ich war sofort hin und weg.

Sylvain schreibt seine Diplomarbeit im und über den Libanon und den Nah-Ost-Konflikt. Entstanden ist dabei etwas ganz Besonderes. Ein Buch, das informiert, nachdenklich macht, dabei trotzdem regelrecht witzig ist und galant in eine uns fremde, doch plötzlich liebenswerte Kultur entführt.

Dabei beschreibt er wirklich alles, was ihm passiert: Interessante Begegnungen mit anderen Menschen flankieren die große Betrachtung des Nah-Ost-Konflikts, des Glück des Menschen und anderer Sinnsucherfragen.

Wenn man dieses einfache Buch in der Hand hält, fragt man sich: Warum werden woanders große Reden geschwungen, wenn es doch so einfach geht? Gezielt, mit sehr spitzer Feder regt Sylvain die Gedanken an. Ob mit Gedankendiagrammen oder einem Faltplan zum Glücklich sein.

Der besonders weise Satz
“Zum Thema Demokratie gibt es ganz viel zu sagen und bevor ich zu viel Quatsch erzähle, sollte ich erst Platon lesen.”

Es gibt so viele Menschen, die meinen, das beste Geschenk … Read More »


Philippe Dijan: Betty Blue

Posted on Oktober 28th, by Frau Erdnussbutter in Drama, Französische Literatur, Gegenwartsliteratur, Rezension. No Comments

Die Geschichte um eine ver- und zerstörende Amor fou, die alles Lieben und Leben um sich herum erdrückt und dabei trotzdem wunderschön ist.

Mit Betty Blue habe ich (dem Kollegen sei Dank) wieder in die Kultkiste gegriffen und dabei einige überraschende Entdeckungen hervorgezogen. Rotzig, frech und verzweifelt ist die Protagonistin dieses Road Movies der Liebe, Betty Blue. Sie trifft gleich am Anfang auf den Ich-Erzähler Zorg und reißt ihn wie eine Naturkatastrophe mit sich.

Sie schwärmt für sein unveröffentlichtes Manuskript und ist letztendlich der ausschlaggebende Ansporn für ihn, es zu beenden. Das Manuskript ist im weitesten Sinne eine Metapher für die Beziehung der beiden und der rote Faden, der sich durch das ganze Buch zieht.

Zorg kann sich anfänglich Betty unkonventionellen Charmes nicht erwehren, doch es dauert nicht lange und ihre obsessive, traurige Persönlichkeit sickert durch. Doch es ist bereits zu spät für ihn, längst ist er in ihrem Sog gefangen und fühlt auch noch ein hohes Maß an Verantwortung. Gemeinsam sucht er einen ruhigen Ort für sie beide, in der unsteten Hoffnung, damit ein Allheilmittel für Betty zu finden. Es gibt sie auch, diese Lichtblicke, die Zorgs Liebe am Leben erhalten, die Momente, in denen Betty die personifizierte Traumfrau ist. Irgendwann jagt er nur … Read More »


Kolja Bonke: Film Riss

Posted on Oktober 17th, by Frau Erdnussbutter in Deutsche Literatur, Gegenwartsliteratur, Rezension. No Comments

Zwischen Drogen und Selbsterkenntnis: Ein ernüchternder, selbstironischer Trip auf der allgegenwärtigen Suche nach dem eigentlichen Sinn. Unangenehm tiefe Einblicke treffen auf gnadenlos ehrliche Sätze.

Dies ist eine Premiere. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass ich einen waschechten Autor über zwei Ecken kenne, doch definitiv ein Novum, dass mir die Lektüre auch gefällt. Eines gleich vorweg: Mit dem, was da auf mich zukam, habe ich nicht gerechnet.

Film Riss nimmt kein Blatt vor den Mund – und das hat es auch nicht nötig. Obwohl stellenweise ein lapidarer Witz den nächsten jagt, fügt es sich nur zu gut in das Gesamtbild des vom Leben ernüchterten Protagonisten ein.

In dreizehn, teils bittersüßen, teils bösen und immer absolut ehrlichen Kapiteln erzählt er von der absoluten Verbitterung bis hin zu einem einzigen Aufbäumen gegen die Belanglosigkeit des Lebens. Die Parallelen zu Fight Club, Crank und 39,90 sind für mich ziemlich offensichtlich. Und interessanterweise sprangen mir beim Lesen Stellen entgegen, die mich an Den Traumdetektiv von Michael Marshall Smith erinnerten, ein halbes Leben lang mein absolutes Lieblingsbuch.

Datingberater von Beruf, aber längst ohne Bezug mehr zu echten, menschlichen Beziehungen, so erwacht der Erzähler eines Tages aus dem titelgebenden Filmriss. Der Bewusstseinsnebel manifestiert sich bald zu der schlimmsten anzunehmenden Befürchtung: … Read More »


Paul Bokowski: Hauptsache nichts mit Menschen

Posted on September 6th, by Frau Erdnussbutter in Deutsche Literatur, Gegenwartsliteratur, Rezension. No Comments

Die ganz gewöhnliche Berliner Woche eines polnischen Auswandererzöglings – portioniert in handlichen Glossen.

Paul Bokowski, der seinem früheren Ich niemals seinen Beruf erklären könnte (Lesebühnenautor und Vorleser), beglückt jetzt auch Selbstleser mit Geschichten aus seinem furiosen Alltag in der Hipsterhauptstadt.

Manche Witzelei ist aufgrund der Lokalität vielleicht nur Berlinern geläufig, trotzdem hat mich der gute Mann öfter zum Schmunzeln und ein paar Mal sogar zu herzhaftem Lachen gebracht.

Ob tiefsinnige Gespräche mit seiner Nachbarin Frau Brohm, der verzweifelte Versuch, seinen geliebten Wedding vor geiernden Hipstern zu bewahren, die danach trachten, dort Wellnessbäckereien und Yogazentren zu unterrichten – langweilig wird einem bei diesem Büchlein so schnell nicht (dazu ist es aber auch zu kurz).

Rhetorische Spitzfindigkeiten über Lärmbelästigung im Halbschlaf treffen auf die Eigenheiten der Ostblockerziehung (die auch ich erleiden durfte, daher: alle Sympathiepunkte für Sie, Herr Bokowski!).

Das ist bei polnischstämmigen Menschen wie mir so eine Art Pawlow´scher Reflex. Immer wenn man als Pole in eine lebensgefährliche Situation kommt, verspürt man den tiefen innerlichen Drang, sich erst mal frische Unterwäsche anzuziehen.

Gewiefte Verzögerungstaktiken von Abgabeterminen, Verwirrung über die Internetkompetenz der eigenen Eltern oder rhetorische Abschiedsbriefe und Nachrufe – der Mann gibt sich beim Glosseschreiben nicht lumpen. Auch gut: die empirische Auswertung des menschlichen Sexualverhaltens anhand von … Read More »


Wolfgang Herrndorf: Tschick

Posted on September 4th, by Frau Erdnussbutter in Deutsche Literatur, Entwicklungsroman, Gegenwartsliteratur, Lieblingsstücke, Rezension. 2 comments

Ein universelles Buch, in das man hineintaucht und nie wieder von der Außenwelt gestört werden möchte. Treffend und genau inspiziert Herrndorf die dem Menschen eigene Komik und macht Lust auf noch mehr Tschick.

Der Klappentext überschlägt sich förmlich vor Lob, er wird sogar neben der “verdammten Blechtrommel” eingereiht. Kein Wunder also, dass die Erwartungen entsprechend hoch sind. Umso mehr erstaunt es jedoch, dass dieser kleine Spiegel-Bestseller allesamt weit übertrifft.

Witzig und charmant erzählt Herrndorf die Geschichte vom ungelenk-coolen Tschick und Maik, der nicht weiß wie er aus seiner eigenen Langweiligkeit ausbrechen soll. Mit Tschick hat er einen Charakter zum Leben erweckt, der noch viele Lesegenerationen nach uns seine Lebendigkeit verloren haben wird. Ein Poet im Russenkostüm und jüdischer Zigeuner zugleich, mit einer lässigen Galanz, die jeden Hipster in den Schatten stellt.

Sich selbst definiert er in aller Bescheidenheit. Wichtig für ihn ist nur, dass er aus der Walachei kommt und einen Opa ohne Zähne und fünf Zigaretten im Ohr hat. Kaum mehr weiß Maik von diesem neuen Klassenkameraden als dieser eines Tages mit einem geknackten Lada in der Hofeinfahrt auftaucht und ihn zu einem Trip durch Deutschland überredet. Und Maik lässt sich schneller auf dieses Angebot ein, als sein Vater die neue Sekretärin flachlegen kann.

Warum … Read More »


T.C. Boyle: Schluss mit cool

Posted on August 16th, by Frau Erdnussbutter in Amerikanische Literatur, Gegenwartsliteratur, Kurzgeschichten, Rezension. No Comments

Portionierte Freakshow mit Amerikas Eigenheiten und gesellschaftlichen Abgründen. 

Ich mag ihn einfach, diesen Thomas Coraghessan Boyle mit seinem seltsamen Namen, der wie die Faust aufs Auge passt. Er schreibt abgrundtief ehrlich, setzt gezielt seine Spitzen und belichtet die Wahrheit schonungslos über – ohne dabei pessimistisch zu sein.

Der besondere Satz:

Meine Hände fühlten sich groß und ungelenk an, als hätte man sie mir erst beim Hereinkommen an die Arme getackert, und das Sportjackett flatterte mit den Schößen und bohrte mir seine Klauen in den Nacken.

In “Schluss mit cool” reihen sich Kurzgeschichten auf, die mal bürgerliche Schicksale, mal düstere Zukunftsvisionen heraufbeschwören. Wie das bei solchen Sammlungen ist, gibt es auch hier Lieblinge und Pflichtlektüre.

In Torschlusspuder nimmt eine mitleidig-belächelten Schwärmerei mit kleinbürgerlichen Romantik-Attitüden plötzlich eine überraschende Wendung. In Nicht zimperlich verteilt sich die Dominanz in einer Beziehung plötzlich neu – und endet bitterböse. Guten Flug: Eine lästige Flugreise macht die Protagonistin für die berüchtigten 10 Minuten zur Überheldin, nach der Landung ist jedoch wieder alles wie zuvor, das Leben geht weiter.

Manchmal ahnt man das eigentlich überraschende Ende schon im Voraus, gerade weil sich dieser kleine Dreh zum Schluss als durchgehendes Stilmittel zeigt. Mit satirisch-bösen Stichen punktiert Boyle das Bild vom amerikanischen Gutbürger. Er zeigt, wie aus einem … Read More »


Florian Meimberg: Auf die Länge kommt es an. TINY TALES

Posted on August 13th, by Frau Erdnussbutter in Deutsche Literatur, Gegenwartsliteratur, Kurzgeschichten, Rezension. No Comments

Tiny Tales sind besonders kurze Geschichten, die sich ihrem Medium anpassen -Twitter.  Deshalb: eine Rezension in 140 Zeichen.

Kurz gefasste, apokalyptische Ausmaße, ein teuflisch-böser Blick durchs Schlüsselloch. Schnell gelesen, laut gelacht. Fortsetzung erwünscht.

 

…und hier noch meine Lieblinge zum Anfixen:

Er hatte den See überquert. Zu Fuß. Das musste sich doch vermarkten lassen. Er trommelte seine 12 besten Freunde zusammen.

Er erwachte mit dem schlimmsten Kater seines Lebens. Wo war er? Warum trug er einen Anzug? Und: Wieso war sein Bett mit Samt ausgekleidet?

“NEUER PLANET ENTDECKT!” Die Pressekonferenz der NASA lief weltweit live, als die Putzfrau das Staubkorn von der Teleskoplinse wischte.

 

 


Jan Brandt: Gegen die Welt

Posted on Mai 21st, by Frau Erdnussbutter in Entwicklungsroman, Gegenwartsliteratur, Rezension. No Comments

Spannend, tief- und wahnsinnig. Vom Aufgeben und Weitermachen – die Abgründe des Menschen, vielschichtig seziert im beschaulichen Ostfriesland.

Da haben wir hier den Salat: Ein Buch, das mehr Zeit aufgesogen hat als erwartet und mich dabei galant fertig gemacht hat. Nein, das hatte nichts mit der Fülle der Seiten zwischen den Buchdeckeln zu tun (da bin ich schon mit ganz anderen Kalibern fertiggeworden, man mag es kaum glauben), vielmehr musste ich Sätze wiederlesen, zurückblättern, parallellesen. Ja, es war ein bisschen wie Sport machen. Ein kleiner Lesekampf (wer hält länger durch?), der es mir jetzt besonders schwer macht, die richtigen Worte dafür zu finden.

Einen Anfang könnte der besondere Satz machen:

“Was stimmt nich?”
“Alles. Die ganze Welt. Du, ich – alles falsch.”
“Aber manches fühlt sich doch richtig an, findest du nich?”

So geht es Daniel Kuper, einem ganz normalen Jugendlichen in einem ganz normalen deutschen Ort. Nun ist die Normalität kaum mehr als schöner Schein und damit beginnen schließlich die Probleme. Es geschehen seltsame Dinge um Daniel herum, die ihm aus Sicht seiner Mitmenschen den Schuldstempel auf die Stirn drücken. Doch Daniel weiß es nicht, er weiß nicht, woher der Kornkreis kommt, der über Nacht auftaucht, oder die seltsamen Zeichen an den Häuserwänden. … Read More »


David Nicholls: Zwei an einem Tag

Posted on April 8th, by Frau Erdnussbutter in Gegenwartsliteratur, Liebesgeschichte, Rezension. 4 comments

Dexter und Emma sind füreinander bestimmt – und verpassen sich jahrelang immer wieder. Eine romantische, unterhaltsame Komödie. Nicht weniger, aber leider auch nicht mehr.

Da ist es nun, ich kann wohl doch nicht immer nur Lobeshymnen schreiben. Nachdem mir von Seite eines sehr ehrlichen Menschen mehr Provokation und Kantigkeit in die Rezensionswiege gewünscht wurde, übe ich mich nun in kritischer Betrachtung. Außerdem wird es fortan (fürderhin, künftig, finally) auch eine kleine Einleitung geben, die den besonders Eiligen verrät, was sie in den folgenden Zeilen so ungefähr erwartet.

 Passenderweise kommt nun ein Buch daher, das es mir tatsächlich nicht so angetan hat und mir die Exempelstatuierung erleichtert. Andererseits ärgert es mich aber auch, da die Ausleihende zu meinen absoluten Lieblingspersonen gehört. Ich hoffe, sie verzeiht mir das.

Zwei an einem Tag kennt man neuerdings nicht nur aus den Bestsellerregalen, sondern auch von der Kinoleinwand. Als “herrliche Liebesgeschichte” wurde “das schönste Buch des Jahres” mit Schmachtprinzessin Anne Hathaway und einem aufgehenden Star am Jungschauspielerfirmament als Gegenspieler verfilmt. Ein Grund, das Kino in kilometerweiten Kreisen zu umgehen.
Doch das Buch sollte tatsächlich um Längen besser sein, ein Argument, das bei mir eigentlich immer zieht, so berechenbar bin ich. Liebesgeschichten, vor allem sterbensdramatischer, todtrauriger und nabokovschmachtender Lektüre bin … Read More »