#nowreading Jonathan Safran Foer: Tiere essen

Category: Novelle

Bernhard Schlink: Das Wochenende

Posted on August 11th, by Frau Erdnussbutter in Deutsche Literatur, Novelle, Rezension. No Comments

Ein gnadenloser Blick in die Vergangenheit eines reulosen Terroristen. Leider keines von Schlinks Glanzstücken.

Was, wenn du ins Leben zurückehrst und noch vor dir hast, was für deine Freunde bereits in ferner Vergangenheit liegt? Jörg kehrt nach 20 Jahren Haft plötzlich in das normale Leben zurück, ganz so als sei nichts gewesen. Dabei ist doch so viel passiert, er hat Menschenleben auf dem Gewissen, alles im Namen eines höheren, hehren Ziels.

Jörg soll wieder in die Gesellschaft hineinfinden, zu diesem Zweck hat seine Schwester all seine Freunde für ein Wochenende auf dem Land versammelt. Doch die Rechnung geht nicht auf. Der Täter bereut nicht, seine Prinzipien sind nicht abgelaufen, während für seine Freunde das Leben längst weitergegangen ist. Es kommt wie es kommen muss, zu Konfrontationen und nicht zu einer heilsamen Reintegration.

In der neuen Gesellschaft ist es nicht tragbar, alten, dem Terror verschriebenen Idealen nachzuhängen, also haben sie den nächsten und die folgenden Schritte gewagt, haben ihr Leben gelebt. Nicht so Jörg, der im Gefängnis seine Ideale wie in einem Museum präserviert hat. Er kehrt zurück und nichts ist mehr, wie es einmal war, Glanz und Gloria des Rebellentums erblindet, das Gedankengut eingemottet, verstaubt und sorgsam vergessen. Für seine “Freunde” ist Jörg die … Read More »


Irène Némirovsky: Der Ball

Posted on Mai 3rd, by Frau Erdnussbutter in Novelle, Rezension, Russische Literatur. No Comments

Süß-bitter erzählt Irène Némirovsky von den Untiefen zwischen Mutter und Tochter. Verpackt als stichelnde Milieubeobachtung im Paris der 30er Jahre. 

Der besondere Satz:

“Dann schickte sie ihre Tochter hinaus, indem sie mit ihrem schönen, nackten, etwas dick gewordenen Arm wedelte, an dem das Diamantarmband glitzerte, das sie gerade von ihrem Mann geschenkt bekommen hatte und nur zum Baden ablegte.”

So und mit diesem besonderen Satz habe ich jetzt fast das ganze Buch abgeschrieben. Besonders dick ist es nicht, aber das kleine Werk spricht Bände. Es lässt tief blicken in die verbitterten Abgründe der Emporkömmlinge.

Antoinette ist die 14-jährige Tochter von Madame Kampf, die dank einer glücklichen Schicksalswende plötzlich zu einer reichen Ehefrau wird. Doch zwischen den beiden schwelt der altbekannte Streit zwischen Mutter und Tochter in diesen Jahren. Die Mutter sieht die junge Dame noch als kleines Kind, in diesem Fall als kleines, eher unnützes Anhängsel wenn es um das Hinaufklettern der Belle Bourgeoisie geht. Die Tochter will viel mehr und träumt von der Welt der Reichen und Schönen, die ihr noch verwehrt bleibt.

Nichts wünscht sie sich mehr als auf den Ball gehen zu dürfen, den Madame Kampf bis in das dekadenteste Detail plant. Ihr Gesellschaftsdebüt soll es werden und in dieser strahlenden Zukunft … Read More »