#nowreading Jonathan Safran Foer: Tiere essen

Category: Französische Literatur

Yasmina Reza: Glücklich die Glücklichen

Posted on August 2nd, by Frau Erdnussbutter in Französische Literatur, Kurzgeschichten. No Comments

Die gelungene An- und Ineinanderreihung kurzer Geschichten. Ein Buch, das sich wunderbar zwischendurch lesen lässt und mit einer feinsinnigen Leichtigkeit begleitet.

Eine Frage, die uns alle umtreibt: Was ist eigentlich Glück?

Einer Antwort auf der Spur schickt Yasmina Reza uns mit Glücklich die Glücklichen durch die Momentaufnahmen verschiedener Protagonisten. Ob Ernest Blot, der um sein Ableben sinniert, oder Jean Ehrenfried, der sich an dessen letzte Fünkchen klammert. Ob Raoul, den das Wettglück seiner Frau zu einer skurrilen Handlung treibt, oder Odile, die vor der Käsetheke mit der Handtasche auf Robert eindrischt.

Die feinen Fäden, die unsere Leben umspinnen, blitzen hin und wieder auf – durch wechselnde Mittelpunkte erschließen sich interessante, neue Perspektiven.

Einziger, kleiner Wermutstropfen: Man merkt, dass dieses Buch von einer Theaterautorin stammt. Es fehlen noch die Stimmen, die Gesten und die Kulisse, die diesem Werk den letzten Hauch Leben verleiht.

Reza, da klingelt doch was. Richtig, sie ist die Autorin des grandiosen Gott des Gemetzels und bringt auch hier wieder ihre subtile, aber gleichzeitig unerbittliche Art der Beobachtung mit ein. Gnadenlos legt sie bloß, was sich verschämt verstecken möchte. Plötzlich scheint Jacob, der sich, mit einem elegant um den Hals gewundenen Schal, für Céline Dion hält und das Unglück seiner Eltern ist, glücklicher als besagte Erzeuger. Und … Read More »


Philippe Dijan: Betty Blue

Posted on Oktober 28th, by Frau Erdnussbutter in Drama, Französische Literatur, Gegenwartsliteratur, Rezension. No Comments

Die Geschichte um eine ver- und zerstörende Amor fou, die alles Lieben und Leben um sich herum erdrückt und dabei trotzdem wunderschön ist.

Mit Betty Blue habe ich (dem Kollegen sei Dank) wieder in die Kultkiste gegriffen und dabei einige überraschende Entdeckungen hervorgezogen. Rotzig, frech und verzweifelt ist die Protagonistin dieses Road Movies der Liebe, Betty Blue. Sie trifft gleich am Anfang auf den Ich-Erzähler Zorg und reißt ihn wie eine Naturkatastrophe mit sich.

Sie schwärmt für sein unveröffentlichtes Manuskript und ist letztendlich der ausschlaggebende Ansporn für ihn, es zu beenden. Das Manuskript ist im weitesten Sinne eine Metapher für die Beziehung der beiden und der rote Faden, der sich durch das ganze Buch zieht.

Zorg kann sich anfänglich Betty unkonventionellen Charmes nicht erwehren, doch es dauert nicht lange und ihre obsessive, traurige Persönlichkeit sickert durch. Doch es ist bereits zu spät für ihn, längst ist er in ihrem Sog gefangen und fühlt auch noch ein hohes Maß an Verantwortung. Gemeinsam sucht er einen ruhigen Ort für sie beide, in der unsteten Hoffnung, damit ein Allheilmittel für Betty zu finden. Es gibt sie auch, diese Lichtblicke, die Zorgs Liebe am Leben erhalten, die Momente, in denen Betty die personifizierte Traumfrau ist. Irgendwann jagt er nur … Read More »


Muriel Barbery: Die letzte Delikatesse

Posted on Mai 24th, by Frau Erdnussbutter in Französische Literatur, Philosophie, Poesie, Rezension. 1 Comment

Das Leben in all seinen leckeren Facetten. Vor allem für Gourmets eine kleine Köstlichkeit.

Nun habe ich mich auch an Barberys Debütroman gewagt und traf wieder auf einige alte Bekannte aus Die Eleganz des Igels.

Hochphilosophisch beschäftigt sich die Autorin auch diesmal mit dem Protagonisten, hier einem sterbenden Restaurantkritiker, dem verblassenden Mega-Stern am Pariser Gourmethimmel. Es trieft vor philosophisch schweren Gedanken, wechselnd zart und zäher Geschmackspoesie.

Er selber ist auf der Suche nach dem einzig wahren Geschmack, der letzten Delikatesse, die sich doch irgendwo im Fundus seiner jahrzehntelangen Erfahrungen finden muss. Worin gipfelt seine ewige Suche? In seiner Verzweiflung ist es das letzte, das ihn noch vom Sterben abhält. Eigentlich ein sehr schöner Gedanke.

Auch charmant ist die wechselnde Betrachtung, die Barbery in ihrem Folgeroman beibehält. Es erzählen immer wieder andere von dem sterbenden Gourmet. Seine Kinder, seine verschmähte Frau, seine unerfüllte Geliebte. Die zwiegespaltene Concierge, der träge Kater. Und jeder einzelne hat ein anderes Bild von ihm, das sich am Ende zu einem ganzen zusammenfügt.

Der besondere Satz:

“Er hört mir mit großer Aufmerksamkeit zu, und ich entdecke an ihm diese bei den Machtmenschen seltene Gabe, die einen erkennen läßt, wann die Parade aufhört, die Konversation, bei der jeder nur sein Gebiet markiert und seine … Read More »


Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels

Posted on April 18th, by Frau Erdnussbutter in Französische Literatur, Philosophie, Poesie, Rezension. 1 Comment

Ein berührendes Buch: Paris und Japan treffen aufeinander, Feingeist auf Bourgeoisie. Eine Concierge, die ihren Intellekt zu verstecken sucht und ein 12-jähriges Mädchen, zum Selbstmord entschlossen, weil sie sich ihrem vorgeschriebenen Schicksal nicht ergeben will.

Zunächst einmal, darf ich vorstellen, noch ein kleines, feines Sahnehäubchen für meinen Blog, der besondere Satz. In jedem Buch gibt es ihn, diesen einen Satz, der zwischen Anfang und Punkt die Essenz des Ganzen enthält. Sei es noch so furchtbar und unlesbar (dann ist es eben ein besonders schlechter Satz). Daher werde ich euch in Zukunft dieses Kleinod nicht vorenthalten.

Und gleich vornweg: der Vorführeffekt. Schon lange habe ich nicht mehr so viele Eselsohren produziert wie bei Der Eleganz des Igels. Daher mein Dilemma, für einen einzigen Satz konnte ich mich schlussendlich nicht entscheiden.

Der besondere Satz, Nummer 1: 

“Von einem, der auszog, einer neckischen Anprobesitzung von schicken Dessous beizuwohnen, und der auf Feindesgebiet landet, mit dreißig Weibern in Trance, die ihm auf den Füßen herumtrampeln und ihm vernichtende Blicke zuwerfen, wo auch immer er seinen sperrigen Männerkorpus abzustellen versucht.”

Witzig? Skurril. Ein besonders langer, besonders verschlungener und spitzer Satz, der bissig die Pariser Oberklasse kommentiert.

Soweit zum Igel und nun zur Eleganz.

Der besondere Satz, Nummer 2:

“Ich habe so … Read More »