#nowreading Jonathan Safran Foer: Tiere essen

Category: Englische Literatur

Miriam & Ezra Elia: Das Tagebuch von Edward dem Hamster, 1990 – 1990

Die ganze Dramatik von Shakespeare, große Liebe, herbe Enttäuschungen und existenzielle Philosophie… alles in einem kleinen Buch, das ich euch hiermit wärmstens ans Herz lege.

Heute möchte ich eine Rezension über dieses wunderbare Büchlein schreiben, das mir gestern in die Hände fiel und mehr als ein hervorragendes Betthupferl wurde. (Anm. d. Red.: Und das in der Geschenkeabteilung, wo doch jeder weiß, dass die Literatur hier auf dem Boden des Niveaus kratzt. Es geschehen noch Wunder.)

Edward ist eine tragische Persönlichkeit. Eine Tragik, die ihn weiß Gott wohin geführt hat. Übrig geblieben ist auf jeden Fall nur sein Tagebuch, in dem wir nun das Vergnügen haben, zu schmökern.

Edward ist ein großer Denker und wie es so bei diesen Ego-Philosophen ist, setzen ihm Gitterstäbe, ob real oder metaphorisch, arg zu. So philosophiert, leidet, dramatisiert, verleugnet und euphorisiert Edward munter in seinem kurzen Leben und auf diesen wenigen Seiten. Und es ist ein ganz herausragendes Vergnügen ihm dabei zu folgen.

Edward ist ein Hamster, aber kein gewöhnlicher.

Neben seinen Tagebucheinträgen verblasst jeder ambitionierte Twitter-Philosoph. Genau genommen ist Edward Shakespeare in Kurzform, perfekt verdichtet. Ich muss zugeben, dass es schon lange kein Buch mehr geschafft hat, mich in so kurzer Zeit zu Lachen, Schmunzeln und Beileidsbekundungen zu bringen.

Edward ist … Read More »


Terry Pratchett: Helle Barden

Posted on März 2nd, by Frau Erdnussbutter in Englische Literatur, Fantasy, Rezension. 5 comments

Ein echter Fantasy-Science-Fiction-man-kann-es-nicht-in-Worte-fassen-Leckerbissen. Mehr davon!

Oh, ich möchte eine Ode schreiben. An den Fantasybarden Terry Pratchett, in dessen Welt ich endlich erfolgreich eingetaucht bin. Was mir schon seit Jahren (wenn nicht schon Jahrzehnten prophezeit wurde), ist nun endlich eingetreten: Ich kann nicht aufhören, die Scheibenwelt weiter lesend zu erforschen.

Von einem, wie er sich selbst nennt, “Terry-Pratchett-Evangelisten” wurden mir zwei Bände für den Einstieg ans Herz gelegt: Helle Barden und die Nachtwächter.

Wie jeder Pratchettfreund weiß (entschuldigt, ich bin ja ganz neu in eurer Mitte), spinnt sich die Geschichte der Scheibenwelt und Ankh-Morpork immer um unterschiedliche Hauptfiguren. Mal sind es die Zauberer, die Hexen, der Tod selbst, der aufspielt, oder eben, wie in diesem Fall, die Stadtwache. Den Wächtern voran steht Samuel Mumm, der sich zusammen mit der furios-kuriosen Geschichte Ankh-Morporks von der untersten Gesellschaftsschicht bis ganz nach oben entwickelt.

In Helle Barden steht Mumm schon kurz vor der ehrenvollen Entlassung aus der Stadtwache, man begegnet ihm schon recht weit oben in der Karriereleiter aus dem Geschlämme der Unstadt heraus (Anm.d.Eva: Ich bin schon heiß gespannt darauf, weiter in seiner dunklen Vergangenheit zu graben…).

Doch bevor er schweren Herzens seine Dienstmarke abtritt, überstürzen sich die Geschehnisse in Ankh-Morpork. Es geschehen echte Morde. Was wenig verwunderlich klingen … Read More »


George R.R. Martin: Ein Tanz mit Drachen (10)

Posted on Oktober 11th, by Frau Erdnussbutter in Englische Literatur, Fantasy, Game of Thrones, Lieblingsstücke, Rezension. No Comments

Endlich wieder ein Feuerwerk in dem Epos um Intrigen und Loyalität, Kampf und Frieden. Selbst an der italienischen Riviera wähnt man sich plötzlich in eiskalten Gefilden.

Viele haben die Rechtschreibung der fix gemachten Übersetzung bemängelt, ich glaube, es sind sogar ein paar ordentliche Shit Storms darum entstanden. Das ist wiederum etwas, das mir nicht besonders ins Auge gestochen ist. Ich weiß nicht, ob die Adriasonne mir das Hirn vernebelt hat, denn normalerweise erkenne ich Rechtschreibfehler auf fünf Kilometer Entfernung, mit verbundenen Augen und komplett betrunken.  Und ich schwöre, manchmal rieche ich sie sogar.

Über Stilfehler lässt sich wiederum streiten, den Inhalt fand ich aber nach den letzten Bänden wieder so exorbitant gut, dass es mir gerade egal war.

Sehr empfindliche Leser warten dann vielleicht besser auf die nächste Ausgabe.

Diesmal gehe ich die Rezension wie üblich an, jedem Charakter seine Geschichte (und Rezension) und versuche dabei so wenig wie möglich zu verraten. So zum Beispiel unsere kleine Drachenkönigin Daenerys, in deren Geschichte endlich, endlich, wieder Schwung kommt. Die Drachen bekommen nun einen wahren Daseinsgrund, der über das Fantasy-Genre an sich hinausgeht, und die Erzählung erfährt eine unerwartete Wendung, die sie aus dem schon angewöhnten Einheitstrott beim Herumziehen in den Sklavenländern herausreisst. Dazu ein prickelnder … Read More »


Jasper Fforde: Im Brunnen der Manuskripte

Posted on September 20th, by Frau Erdnussbutter in Englische Literatur, Fantasy, Rezension. 2 comments

Wieder beginnt ein neues Thursday-Next-Abenteuer – erst beschaulich und plötzlich kann man sich vor Action kaum mehr retten. Für alle Literaturfans ein Hochgenuss.

Ich habe ein kleines Problem mit Jasper Fforde: Zu Beginn eines jeden Romans muss ich mich immer erst viele Seiten hineinlesen. Es dauert jedes Mal ein ganzes Weilchen bis ich wieder an der Seite von Thursday Next durch Zeit und Raum reite. Ein Symptom, das ich bei mir auch von Terry Pratchett kenne und das mich jedes Mal gewaltig ärgert – vielleicht sollte ich mal zum Arzt gehen?

Doch eins ist sicher, am Ende hat sich der Ritt immer gelohnt (das ist wohl auch der Grund, warum ich es einfach nicht lassen kann).

Was ich an Thursday Next besonders liebe, ist die absolute Vormachtstellung als belesener Leser. Wer weiß, wo der Hammer in der Welt der Literatur hängt, bekommt viel mehr mit bei den subtilen Wortspielen und zahlreichen Andeutungen. Leider wird einem auch manchmal nur zu deutlich, dass man gerade etwas verpasst – aber leider nicht genau weiß, was.

Bevor ich zu all den schönen Dingen komme, die dieses Werk ausmachen, muss ich leider noch das ein oder andere Negativum loswerden. Zum einen war ich etwas angenervt von der “springenden Übersetzung”, … Read More »


William Boyd: Eines Menschen Herz.

Posted on Januar 22nd, by Frau Erdnussbutter in Biografie, Englische Literatur, Rezension. No Comments

Oh boy! Plötzlich sehe ich ihn überall.

Ein Schritt in die Buchhandlung und schon strahlt William Boyd mich aus jeder Ecke an. Seltsam, dieser Mann hat so einiges produziert und trotzdem stand eine noch vollkommen leere Synapse bereit, als ich ihn vor einigen Wochen vom Wühltisch holte.

Eines Menschen Herz nun, ist also meine erste Erfahrung mit diesem schottischen Autor.

William Boyd schlüpft in die Rolle des Logan Mountstuart und erzählt durch seine Tagebücher ein ganzes Leben. Schon auf den ersten Seiten war auch ich mittendrin im Leben des 17-jährigen Logan, der sich gerade seinen Platz in der Welt mit Mutproben und Mädcheneroberungen suchte.

Er möchte Schriftsteller sein und nach einem mittelmäßigen Studium in Oxford, in dem er sich mehr mit einer Shelley-Biografie beschäftigt als mit seinen Vorlesungen, geht der Weg stetig nach oben. Exzesse mit James Joyce, Ernest Hemingway und skurrile Begegnungen mit Picasso säumen seinen Weg zum hochgelobten Literaten. Er wird zum Kriegskorrespondenten, erlebt erhebende Momente und niederschmetternde Lieben. Er lernt die Frau seines Lebens kennen. Nichts kann Logan Mountstuart mehr aufhalten.

Als er in Kriegsgefangenschaft gerät und für tot gehalten wird, bricht sein Glück. Er kommt zurück und nichts ist mehr, so wie es war.
Jetzt folgten die Kapitel die mich erst von … Read More »


Charlotte Brontë: Jane Eyre

Posted on Januar 2nd, by Frau Erdnussbutter in Englische Literatur, Rezension. No Comments

Jane ist Schuld daran, dass ich meinem Buchprojekt etwas Flexibilität aufzwingen musste. Zwei Wochen statt einer wechselte ich zwischen Thornfield Hall und der Stuttgarter U-Bahn, zwischen dem grimmig-düsteren Edward Rochester und Adventsstimmung. Und musste dafür in der folgenden Woche doppelt so schnell lesen. Aber, es hat sich gelohnt.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Gedanke an Geschlechtergleichstellung noch kaum mehr als eine vage Schimäre war, veröffentlichte Currer Bell die Geschichte von Jane Eyre.Jane ist nicht besonders hübsch, oder ansehnlich, dazu eine arme Vollwaise und äußerst stur. Weit davon entfernt, eine gute Partie zu werden. Kaum hat sie ihre gequälte Kindheit in der Pflegefamilie überlebt, nimmt sie trotzig das Steuer selbst in die Hand und wird Gouvernante und damit endlich unabhängig. So kommt sie schließlich nach Thornfield Hall und trifft auf Mr. Rochester, die unbändige Grimmigkeit in Person und, wie sich bald herausstellen wird, ihr Schicksal.
Jane Eyre ist aus der Ich-Perspektive geschrieben und lässt tief blicken, in das stille Wasser Jane. Äußerlich stoisch, mit einem trockenen Humor gesegnet und sehr geduldig, sieht es innerlich oft ganz anders aus. Bald merkt Jane, dass sie für den viel älteren Edward deutlich mehr empfindet, als man dass in einem Arbeitnehmer-Arbeitgeberverhältnis erwartet. Die Ränke beginnen. … Read More »