George R.R. Martin: Ein Tanz mit Drachen (10)

Endlich wieder ein Feuerwerk in dem Epos um Intrigen und Loyalität, Kampf und Frieden. Selbst an der italienischen Riviera wähnt man sich plötzlich in eiskalten Gefilden.

Viele haben die Rechtschreibung der fix gemachten Übersetzung bemängelt, ich glaube, es sind sogar ein paar ordentliche Shit Storms darum entstanden. Das ist wiederum etwas, das mir nicht besonders ins Auge gestochen ist. Ich weiß nicht, ob die Adriasonne mir das Hirn vernebelt hat, denn normalerweise erkenne ich Rechtschreibfehler auf fünf Kilometer Entfernung, mit verbundenen Augen und komplett betrunken.  Und ich schwöre, manchmal rieche ich sie sogar.

Über Stilfehler lässt sich wiederum streiten, den Inhalt fand ich aber nach den letzten Bänden wieder so exorbitant gut, dass es mir gerade egal war.

Sehr empfindliche Leser warten dann vielleicht besser auf die nächste Ausgabe.

Diesmal gehe ich die Rezension wie üblich an, jedem Charakter seine Geschichte (und Rezension) und versuche dabei so wenig wie möglich zu verraten. So zum Beispiel unsere kleine Drachenkönigin Daenerys, in deren Geschichte endlich, endlich, wieder Schwung kommt. Die Drachen bekommen nun einen wahren Daseinsgrund, der über das Fantasy-Genre an sich hinausgeht, und die Erzählung erfährt eine unerwartete Wendung, die sie aus dem schon angewöhnten Einheitstrott beim Herumziehen in den Sklavenländern herausreisst. Dazu ein prickelnder Cliffhanger. Halleluja!

Tyrion zeigt auf einmal eine völlig neue Seite, vor allem durch einen unfreiwillig auftauchenden Gegenpart. Ganz unprätentiös und mit einem gehörigen Schuss Selbstironie begibt er sich galant (wie immer) auf die unterste Stufe der Gesellschaft, was ihn einmal mehr absolut sympathisch macht.
Verachtung, dachte Tyrion, ist eine Weltsprache.
Jon und Theon begleiten die Handlung des Buches, der eine kämpft weiter, der andere sich wieder hervor. Grandiose Spannungssprünge vollführen sie das Buch über eher nicht, erst gegen Ende zaubert Martin wieder etwas aus seiner Trickkiste hervor. Vielmehr überrascht die kühle Cersei, die nun schon fast Sympathien weckt, was bislang eigentlich unmöglich schien.
Am besten ist wie immer Aryas Handlungsstrang, der komplett parallel verläuft. Dieses kleine, sture, liebenswerte und endlos mutige Geschöpf wächst langsam zu einem ungeahnten Hoffnungsträger heran, von dem noch viel zu erwarten ist.
Der Himmel über Meereen hatte die Farbe von Leichenhaut, trüb und weiß und drückend, eine dichte Wolkenmasse, die sich von Horizont zu Horizont ausbreitete.

Martin hält es in seiner altbewährten Manier: Charaktere gehen und kommen plötzlich, sie verblassen auf einmal zu absoluter Unwichtigkeit oder gehen überraschende Läuterungen durch. Seine Sprache ist wieder bildhaft und schön und einmal mehr frage ich mich, warum Fantasy-Fans freiwillig so viel anderen Wortmüll lesen. Warum genau dieser (halbe) Band so spannend ist, darf ich nicht verraten, das muss sich jeder selbst erlesen.

Mehr, mehr, mehr

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