Terry Pratchett: Helle Barden

Ein echter Fantasy-Science-Fiction-man-kann-es-nicht-in-Worte-fassen-Leckerbissen. Mehr davon!

Oh, ich möchte eine Ode schreiben. An den Fantasybarden Terry Pratchett, in dessen Welt ich endlich erfolgreich eingetaucht bin. Was mir schon seit Jahren (wenn nicht schon Jahrzehnten prophezeit wurde), ist nun endlich eingetreten: Ich kann nicht aufhören, die Scheibenwelt weiter lesend zu erforschen.

Von einem, wie er sich selbst nennt, „Terry-Pratchett-Evangelisten“ wurden mir zwei Bände für den Einstieg ans Herz gelegt: Helle Barden und die Nachtwächter.

Wie jeder Pratchettfreund weiß (entschuldigt, ich bin ja ganz neu in eurer Mitte), spinnt sich die Geschichte der Scheibenwelt und Ankh-Morpork immer um unterschiedliche Hauptfiguren. Mal sind es die Zauberer, die Hexen, der Tod selbst, der aufspielt, oder eben, wie in diesem Fall, die Stadtwache. Den Wächtern voran steht Samuel Mumm, der sich zusammen mit der furios-kuriosen Geschichte Ankh-Morporks von der untersten Gesellschaftsschicht bis ganz nach oben entwickelt.

In Helle Barden steht Mumm schon kurz vor der ehrenvollen Entlassung aus der Stadtwache, man begegnet ihm schon recht weit oben in der Karriereleiter aus dem Geschlämme der Unstadt heraus (Anm.d.Eva: Ich bin schon heiß gespannt darauf, weiter in seiner dunklen Vergangenheit zu graben…).

Doch bevor er schweren Herzens seine Dienstmarke abtritt, überstürzen sich die Geschehnisse in Ankh-Morpork. Es geschehen echte Morde. Was wenig verwunderlich klingen sollte, wenn man ob der Schlangengrube weiß, die Babylon in einem reinweißen Licht dastehen lässt, ist es de facto doch. Denn Transparenz hat Einzug gehalten, für ordentliches Morden sind die Assassinen verantwortlich und das wird fein säuberlich festgehalten. Die häufigste Todesursache ist außerdem Selbstmord. Nein, ein uriger, echter Mord ist nicht an der Tages- und Nachtordnung in Ankh-Morpork. Wen wundert es da, als ein Städter nach dem anderen einem nicht identifizierbaren Todesgerät zum Opfer fehlt, dem Gfähr, von Leonard da Quiem entworfen und der Assassinengilde entwendet.

Doch was bezweckt der selbsternannte Amokläufer?

Sam Mumm und seine Nachtwächter werfen sich auf die kleinste Spur und das wird ihnen von allen Seiten nicht leicht gemacht. Kurios und schön zugleich ist auch die witzige Zusammenstellung der Truppe: Troll trifft auf Zwerg, Werwolf auf Königssohn usw.

Faszinosum Numero Eins ist wohl diese grandiose (Nicht-)Stadt. Absolut unfassbar, wie so etwas bestehen und entstehen konnte. Man möchte gespannt tiefer graben und dann wird einem auf einmal klar, worauf ihre Festen stehen. Schon die Geschichte, die gewitzt mit der Entstehung Roms flirtet. Die zahlreichen gekonnten Anlehnungen an andere geschichtliche und gesellschaftliche Meilensteine, so dass einem ganz schwindlig vor Lesefreude wird. Irgendwie erinnert das an Asterix & Obelix – in anders.

Man hielt ihn für verrückt, aber das stimmte nicht, zumindest nicht ganz. Seine Kontakte mit der Realität fanden auf einem kosmischen Niveau statt, deshalb fiel es ihm schwer, sich auf kleine Dinge zu besinnen, wie zum Beispiel andere Personen, Wände und Seife.

Terry Pratchett weiß es, seinen Figuren Leben und Witz einzuhauchen. Mit subtilen Fingerspitzen dreht und wendet er sie bis man sich ihnen nicht mehr entziehen kann. Dabei sind sie nicht alle gleich, nein, eine jede entwickelt ein völlig losgelöstes Leseerlebnis. Das Schöne ist – und da kann momentan nicht mal mein heißverehrter Walter Moers mithalten – dass noch weitere 38 Scheibenwelt-Romane darauf warten, von mir gelesen zu werden.

Mehr, mehr, mehr

5 Kommentare

Fabian Neidhardt 3. März 2013 at 10:42

Krass, ich hätte dir einen ganz anderen Einstieg in die Welt gegeben. Aber Hauptsache, du bist drin 😉 Viel Spaß! Ich bin gespannt, was du zu den anderen sagst.

Grüße aus der Weinsteige, Faby

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Frau Erdnussbutter 3. März 2013 at 13:43

Ich habe davor auch schon ein paarmal probiert, auf die Scheibenwelt aufzuspringen. Auch schon per PC. 🙂
Aber irgendwo hab ich wohl doch so ein Einsamer-Wolf-löst-heroisch-und-mit-lustigen-Gefährten-spannende-Fälle-in-mittelalterlicher-Umgebung-Faible. Da war das genau das Richtige. Und nun kann ich nicht genug davon kriegen. 🙂

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Fabian Neidhardt 3. März 2013 at 19:30

Na, dann werden dir wohl vor allem die alten Bücher gut gefallen. die aktuelleren spielen auch in einem eher aktuellem Universum. Oder, mit Anklängen aus einem neuen Universum.

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Fabian Neidhardt 3. März 2013 at 20:12

Entschuldigung, Multiversum.

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Frau Erdnussbutter 6. März 2013 at 10:58

Entschuldigung angenommen.

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