#nowreading Jonathan Safran Foer: Tiere essen

Yasmina Reza: Glücklich die Glücklichen


Posted on August 2nd, by Frau Erdnussbutter in Französische Literatur, Kurzgeschichten. No Comments

Die gelungene An- und Ineinanderreihung kurzer Geschichten. Ein Buch, das sich wunderbar zwischendurch lesen lässt und mit einer feinsinnigen Leichtigkeit begleitet.

Eine Frage, die uns alle umtreibt: Was ist eigentlich Glück?

Einer Antwort auf der Spur schickt Yasmina Reza uns mit Glücklich die Glücklichen durch die Momentaufnahmen verschiedener Protagonisten. Ob Ernest Blot, der um sein Ableben sinniert, oder Jean Ehrenfried, der sich an dessen letzte Fünkchen klammert. Ob Raoul, den das Wettglück seiner Frau zu einer skurrilen Handlung treibt, oder Odile, die vor der Käsetheke mit der Handtasche auf Robert eindrischt.

Die feinen Fäden, die unsere Leben umspinnen, blitzen hin und wieder auf – durch wechselnde Mittelpunkte erschließen sich interessante, neue Perspektiven.

Einziger, kleiner Wermutstropfen: Man merkt, dass dieses Buch von einer Theaterautorin stammt. Es fehlen noch die Stimmen, die Gesten und die Kulisse, die diesem Werk den letzten Hauch Leben verleiht.

Reza, da klingelt doch was. Richtig, sie ist die Autorin des grandiosen Gott des Gemetzels und bringt auch hier wieder ihre subtile, aber gleichzeitig unerbittliche Art der Beobachtung mit ein. Gnadenlos legt sie bloß, was sich verschämt verstecken möchte. Plötzlich scheint Jacob, der sich, mit einem elegant um den Hals gewundenen Schal, für Céline Dion hält und das Unglück seiner Eltern ist, glücklicher als besagte Erzeuger. Und Vincents alte Mutter, die das ganze Wartezimmer unbekümmert über ihr Liebes- und Leidensleben informiert, eine wahre Sonne im Vergleich zu ihrem sich schämenden Sohn.

Der besondere Satz

“Ich bin nicht traurig. Die Dinge sind zum Verschwinden gemacht. Ich werde ohne großes Aufheben gehen. Weder Sarg noch Knochen hinterlassen. Alles wird weitergehen wie immer. Alles wird fröhlich vom Wasser davongetragen.”

Die Antwort, die uns Reza letztendlich gibt, ist: Glücklich sind die, die es einfach sind. Es gibt keine Parameter, keine Voraussetzungen und keine Umstände dafür. Das eigene Glück liegt im Auge des Betrachters.

Halleluja und danke für dieses schöne Buch!





Hinterlasse eine Antwort