Brillembourg, Klumpner, Kalagas, Kourkoula: Reactivate Athens

Athen durch die Brille der Zukunft betrachtet. Mehr als nur ein Buch über Architektur.

Lasst uns einen Blick nach Griechenland werfen. Einer, der nicht getrübt ist von Wirtschaftskrise, politischer Lage und irgendwo dazwischen verschämt wegschauenden Touristen. Sondern einen sehr offenen, hoffnungsvollen, nach vorne gerichteten.

Reactivate Athens macht genau das. Es schaut auf die Stadt, erkennt und analysiert ihre Schwächen und füttert den städtischen Raum mit neuen Ideen. Die, man kann es überraschend finden, so innovativ wie umsetzbar sind. Von mobilen Schulen und Kindergärten für Flüchtlinge bis hin zu urbanen Theatern in diesen verlassenen Flächen, die das Auge längst wie einen blinden Fleck ausblendet und die die Stadt trotzdem mit Leere füllen. Oder das Entstehen neuer öffentlicher Flächen auf den zahllosen Flachdächern, die sich über die alte Stadt spannen. Ausgerechnet Athen, dieser Meilenstein des Altertums, die Wiege des Wissens. Man muss sich erstmal trauen, so auf so ein Erbe aufzusetzen. Genau, ausgerechnet Athen, die Stadt, die Architektur schon BC geprägt hat. All die Ideen setzen darauf auf und zerstören nicht, sondern entwickeln weiter. Hier steckt ein Grundgedanke drin, der eine ganz eigene Kraft hat und weit über Städteplanung hinausgeht.

Was zunächst dröge klingt, ist wunderbar leicht zu lesen und zu verstehen. Und es ist nicht ein Buch über Architektur, sondern vielmehr über Ideen, wie man diese findet und über positive Zukunftsorientierung. So könnte der Phönix in seiner Heimat buchstäblich wieder aus der Asche der Krise erstehen.

Das Konzept ist schnell verstanden: Beginnend mit analytischen, aber sehr gut pointierten Essays, die verschiedene Handlungsfelder umzäunen, fortgeführt mit insgesamt 101 Ideen, visualisiert durch wunderschöne Illustrationen. Und überhaupt, dieses „wunderschön“ ist ernst gemeint. Schon lange habe ich nicht mehr so ein detailliert gestaltetes Buch in der Hand gehalten. Wer nicht lesen mag, kann auch einfach schauen. Fotos von Athen, Illustrationen, Lagepläne und Timelines wechseln sich extrem leicht konsumierbar ab. Wer doch lesen mag: Alle Texte sind in Englisch und in Griechisch verfasst. Nebenbei erfährt man übrigens so einiges über die Gegenwartsgeschichte von Athen.

Entstanden ist Reactivate Athens an der ETH Zürich im „Urban-Think TankChair of Architecture and Urban Design“ zusammen mit einem interdisziplinären Team aus Experten, die sich gemeinsam mit Anwohnern intensiv mit der Stadt beschäftigt haben.

In Greek, the word ‚crisis‘ has two meanings. One is the same as in English, a situation which is uncertain and not under control. But it also means the intellectual energy you need in order to realize what’s happening to you. In Greek you can say ‚this man is in a crisis‘, but you can also say, ‚this man has crisis‘. That is our only hope.‘

Hier kann man sogar einen bewegten Blick in das Werk werfen: Look inside.

Danke an 8 books a year, die meinen Horizont erweitert haben.

 

 

 

 

 

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