Albert Einstein, Sigmund Freud: Warum Krieg?

Drei Briefe mit Wucht zwischen den Zeilen.

Ich blieb daran beim Stöbern hängen. Diese simple Frage verlangte sofort nach einer Antwort in meinem Kopf. Warum Krieg?

Ja, warum denn eigentlich? Die Menschheit und dieser Planet im Gesamten hat noch nie etwas Sinnloseres gesehen als  drohendes Aufrüsten, machthungrige Alphaspielchen, das Verschießen von Material, das für so viel anderes eingesetzt werden könnte, gegenseitiges Niedermetzeln, fanatische Selbsttötung, gnadenloses Bomben. Es gibt keine vernünftige Antwort darauf, warum Krieg Sinn machen sollte. Also war ich prompt 5 D-Mark ärmer (ja, solange habe ich das Buch schon).

Einstein schreibt Freud, dieser antwortet und erhält nochmal eine Erwiderung von Einstein.  Im Abschluss folgt noch ein Essay von Isaac Asimov, das, ehrlich gesagt, ein bisschen egal ist. All in all, ein quick read.

Und dann ein erster Anflug von Enttäuschung als ich zum ersten Mal nach der letzten Seite aus der Hand legte. Wie kann es eigentlich sein, dass zwei der größten Denker unserer Zeit einander schreiben, nach einer Lösung für das größte hausgemachte Menschheitsproblem suchen – und nicht fündig werden? Nein, nicht mal ein Ansatz außer hehrer Utopie, der so richtig ist, aber heute, Jahrzehnte später, keine erfolgreiche Umsetzung findet. Ist es denn so schwer?

Sie haben mich dann durch die Fragestellung überrascht, was man tun könne, um das Verhängnis des Krieges von den Menschen abzuwehren. Ich erschrak zunächst unter dem Eindruck meiner – fast hätte ich gesagt: unserer – Inkompetenz.

Und nichtsdestotrotz empfehle ich Warum Krieg? sofort weiter. Denn was auf den wenigen Seiten steht, ist inspirierend. Passend zu jedem der beiden Denker, aus relativ theoretischer, beziehungsweise aus der Perspektive der Psychologie. Beide machen zwischendurch die Feststellung, dass die Theorie ganz einfach ist, aber die Umsetzung an einer Tatsache scheitert: Wir sind Menschen. Und Menschen sind komplex, vor allem, wenn sie aufeinander treffen. Beginnend damit, dass Einstein einen Grundhass im Menschen konstatiert, der sich leicht in Abnormität steigern kann. Mal dahingestellt, ob man mit diesem Gedanken übereinstimmt, er ist einer von vielen interessanten Gedankengängen auf diesen Seiten. Freud stimmt mit ein, indem er auf den Konfliktherd des Zusammenlebens geht. Schon immer habe es Probleme zwischen Gemeinschaften aller Art gegeben. Und natürlich findet er, sonst wäre es nicht Freud, auch wieder einen Schwenk in Triebe und Sexualität.

Ein solcher Ruhezustand ist nur theoretisch denkbar, in Wirklichkeit kompliziert sich der Sachverhalt nur dadurch, dass die Gemeinschaft von Anfang an ungleich mächtige Elemente umfasst.

Mehr werde ich nun auch nicht mehr verraten. Dieses kleine Werk ist kaum größer als eine Briefmarke und trägt doch ordentlich Stoff zum Nachdenken in sich. Kurz gesagt, Antworten findet man hier keine, aber einen pazifistischen Impuls, der es in sich hat. Hier, liebe Lehrer, ist der Stoff für den Lehrplan. Lest es euren Schülern vor, immer wieder. Stellt sicher, dass sie es verstehen. Vielleicht kann unsere Welt dann ein bisschen besser werden.

Unterdes dürfen wir uns sagen: Alles, was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg.

 

 

 

Mehr, mehr, mehr

Schreibe einen Kommentar