Matt Ruff: Bad Monkeys

Verwirrend wie der geistige Zustand der Protagonistin.

Jane Charlotte ist eine mehrfache Mörderin. Zumindest ist sie selbst fest davon überzeugt und erzählt genauso auch ihrem Therapeuten die Chronik ihrer Vergehen. Es wird mit der Zeit klar, dass sie sich zwischen Wahrheit und Lüge verstrickt hat. Der Roman baut sich in ihren eigenen Erzählungen und einem immer wieder auftauchenden Kontrollkapitel mit Dr. Vale auf, der ihre Aussagen verifiziert, beziehungsweise ihr diese eulenspiegelgleich in aller Lügenpracht vorhält. Eines scheint jedoch zu stimmen: Ihr Bruder starb in jungen Jahren und irgendwie fühlt sie sich mitschuldig daran.

Matt Ruff macht es einem durchaus nicht leicht, der Handlung zu folgen. Wechselnde Erzählperspektiven, zeitliche Sprünge und Realitäten, die verschleiern, was tatsächlich passiert. Hier wird einmal nicht von außen betrachtet, sondern tief in die Wahrnehmung der Protagonistin eingetaucht. Das führt dazu, dass man selbst nur wie durch einen Schleier erahnen kann, was in unserer realen Welt vor sich geht. Man hat den Eindruck, dass Ruff einen gezielt mit dieser Verwirrung und seitenweise immer größer werdenden Überforderung den Handlungssträngen zu folgen, leben lässt. Um hautnah zu vermitteln, was im Geist der Kranken Wahrheit ist.

Der Roman liest sich teilweise wie das Exzerpt eines sehr kindlichen Geistes. Sprechende Namen wie die drei Agenten True, Love und Wise oder Officer Friendly bezeichnen die Auswüchse ihrer Fantasie. Aber auch ihr eigener Name und der ihres Bruders strotzen vor Symbolik. So bezeichnet Matt Ruff Bad Monkeys als eine Hommage an Philip K. Dick. Aus diesem Grund benannte er die Protagonistin Jane Charlotte nach Dicks Zwillingsschwester, die in ihrer Kindheit starb. Und ebenso heißt ihr Bruder Phil.

Ebenfalls an eine erwachsen-dystopische Kindergeschichte erinnern einen die Nemesis „Schlechte Jane“, die sich der „Guten Jane“ irgendwann entgegenstellt. Die einfache Bezeichnung für das Böse: Schlechte Affen. Clowns, die nichts Gutes im Schilde führen und immer so weiter.

Ich vermute, dass Ruff hiermit immer wieder auf ihren jüngeren Bruder und seinen frühen Tod verweist. Doch ganz sicher kann man sich eben nicht sein, ein Stilmittel, das er gekonnt einsetzt. Fantastische Elemente, Science-Fiction-Ausgeburten und Agentenfilmszenen geben sich die Hand und machen die 250 Seiten doch auch sehr schnell lesbar.

Letztendlich: Ein Fan bin ich nicht von meinem Flohmarktfund geworden. Da hat mich Ich und die Anderen doch deutlich mehr begeistert.

Doch für diesen einen Satz war es mir wert, das Buch zu lesen:

Wir alle machen die Welt.

 

Mehr, mehr, mehr

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