Walter Moers: Rumo

Wer hätte gedacht, dass eine der schönsten Liebesgeschichten aus der phantastischen Ecke kommt? Der Shakespeare des Fantasy, Walter Moers, bringt alles was dazugehört in seinen Zwei-Welten-Epos ein: Gnadenlose Brutalität, loyale Freunde und leichtsinnige Heldentaten. Natürlich alles im Zeichen der Liebe.

Wer Den Blaubär gelesen hat, kennt ihn schon, Rumo, den schweigsamen und gefährlichen Wolpertinger.  Jetzt erzählt Moers seine fabelhafte Geschichte. Wie sollte es anders sein, dieses zum Kampf geborene Wesen hat einen besonders weichen Kern und eine herzerweichende Kindheit. Der Bauernhof, aus dem ihn schon Blaubär auf spektakuläre Weise vor dem Erdrücken durch einen riesigen Bollogghintern errettete, ist der Anfangsschauplatz. Der putzige, kleine Wolpertinger meint erst allein zu sein, wird dann jedoch binnen kürzester Zeit mit den anderen Bauernhofbewohnern von Zyklopen in Säcke gestopft.

Brisantes Material um eine packende Geschichte zu beginnen und Moers lässt sich tatsächlich nicht lumpen. Denn auf den Teufelsfelsen begegnet Rumo Smeik, einem Vertreter der Haifischmaden – unfassbar seltsam anzuschauen, unendlich schlau und mit einer Menge krimineller Energie – der sofort das Potential des weißfelligen Kämpfers erkennt, ihn von den wandernden Teufelsfelsen zu retten. Immer wieder tauchen Smeik und seine Artverwandten in Moers Zamonienromanen auf und sie sind wie immer ein Garant für unvorhergesehene Ereignisse (mit nicht immer glücklichem Ausgang).

Volzotan Smeik lenkt Rumo in die ihm vorhergesehene Bahn und hat bald einen Heldenanwärter herangezogen, der den verfressenen Zyklopen mit einer spektakulären Befreiungsaktion ein für allemal die Lust am Töten nimmt.

Grausamkeiten überhäufen sich in diesen ersten Seiten des Buches – man ist überrascht und gleichzeitig fasziniert. Wenn einem der ruhige Schlaf der Kinder gleich ist, ist das hier die perfekte Bettlektüre (nicht!).

Eine Reihe von Abenteuern beginnt für die beiden, doch bald trennen sich ihre Wege, denn Rumo muss seinen natürlichen Weg gehen, zurück nach Wolperting, der Heimat aller (na….?) Wolpertinger. Von allen Gestalten Zamoniens sind diese wahrgewordenen Fabelwesen die wohl erstaunlichsten und variantenreichsten. Erst hier, inmitten des wehrhaften Wolperting, entdeckt Rumo auf einmal, dass es auch die „Anderen“ gibt, auch Mädchen genannt. Tollpatschig und charmant gestaltet sich die Anfangszeit denn Rumo hat Rala entdeckt, ein zuchersüßes Wolpertingermädchen. Aber es wird auch gefährlich, denn endlich kommt der geborene Krieger mit der Kampfkunst in Berührung.

 Das also war Schulunterricht. Man konnte träumen mit offenen Augen.

Die Ereignisse überschlagen sich bald, als Rumo versucht, seinen Status bei Rala aufzupolieren, doch das lest ihr lieber selber…

Kupferne Kerle, dunkle Unterwelten, grausige Geschöpfe, sprechende Schwerter und ein wahnsinniger König, der zweite Teil des Buches ist vollgestopft von Schreckmomenten und spitzen Spannungswogen.

Es ist schon immer eine gefährliche Unterschätzung des Bösen gewesen, es kenne keine Liebe.

Schräg, abgefahren, erschreckend ist dieses Buch von Moers, und zudem wesentlich düsterer als seine anderen Geschichten. Oft weiß man nicht, was einen auf den folgenden Seiten erwartet, skurril-witzige Dialoge, herzergreifende Momente oder in Buchstaben gefasste Grausamkeiten. Bei Rumo muss man auf alles gefasst sein.

Denn es gibt Wunder, die müssen im Dunkeln geschehen.

Mehr, mehr, mehr

2 Kommentare

Steffi 13. April 2013 at 21:41

Ich liebe dieses Buch. Es ist schön, noch anderen Moers-Fans in der Bloggerwelt zu begegnen. Ich fand Rumo nach „Die Stadt der träumenden Bücher“ mit das beste Buch von ihm. Und ja, es war blutrünstiger und brutaler als die anderen. Vlg Steffi

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Frau Erdnussbutter 16. April 2013 at 17:20

…aber wiederum SO schön.

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