Carlos Ruiz Zafón: Der dunkle Wächter

Perfekte Strandlektüre, um sich ein bisschen zwischen sonnenölglänzenden Speckbäuchen zu gruseln.

Von meinem Bruder bekam ich den Zafón für Jugendliche in die Hand gedrückt. Eigentlich kenne ich den Großmeister der spanischen Fantasieliteratur bisher nur von seinen Barcelonabüchern, Der Schatten des Windes und Das Spiel des Engels.

Zafón gibt immer eine gute Empfehlung ab, seine Werke sind spannend und doch…einen Haken finde ich bei ihm immer. Seine in zauberhafte Schwülstigkeit abdriftende Sprache, die mystischen Verworrenheiten, die jedoch weit entfernt von einem gekonnten Bulgakov sind, die Spannungshöhen, die sich ins Unmögliche auftürmen, machen letztendlich nicht ganz zufrieden.

Zafón hinterlässt nichts Bleibendes bei mir und doch ist er schlichtweg gute Unterhaltung. Letztendlich hat er mit dem Friedhof der Vergessenen Bücher eine zauberhafte Idee in seine Bücher gewoben, die jeden Büchernarr ansprechen muss. So auch wieder in Der dunkle Wächter, in dem Bücher eine tragende Rolle spielen.

Irene ist die jugendliche Protagonistin, die sich die Lesebühne mit ihrem jüngeren Bruder und ihrer Mutter teilt. Es ist Sommer, unbeschwert und endlose Freiheit versprechend. Komisch, fangen nicht viele Jungendbücher mit den Sommerferien an (Harry Potter einmal ausgenommen)? Der Schulunterricht scheint wohl jede Abenteuerlust im Kern zu ersticken.

So auch die Szenerie: ein verwinkelter Landsitz im düsteren Moor und ein geheimnisvoller Spielzeugfabrikant, der die kleine Familie dorthin einlädt.

Schon bald stellt sich heraus, dass der freundliche Lazarus Jann ein dunkles Geheimnis mit sich trägt und von einer grauenhaften Kreatur gebeutelt wird, die dort ihr Unwesen treibt. Der schattengewordene Albtraum erhebt sich wieder, als Irene und Ismael, der obligatorische Sommerschwarm, in seinen Weg geraten.

Mechanische Wesen, ein Fluch aus ferner Vergangenheit, eine tragische Liebe: Der dunkle Wächter ist für jeden, der älter als 14 ist, vorhersehbar. Zafòn wirft alle verfügbaren Schauerzutaten in einen brodelnden Topf und verrührt das Ganze zu einem ordentlichen Jugendroman. Schnell gelesen, unterhaltsam und eigentlich auch nicht so schlecht geschrieben.

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