Agnès de Lestrade, Valeria Docampo: Die große Wörterfabrik

Ein altersloses Bilderbuch, das im Kleinen keine großen Worte, doch umso mehr Eindruck macht.

Das Lesen mancher Bücher dauert nur wenige Minuten und doch hinterlassen sie einen bleibenden Nachklang. Manchmal mehr, als wenn man tausende von Seiten durchschmökern würde.

Auf den ersten Blick ist Die große Wörterfabrik ein liebevoll illustriertes Bilderbuch, auf den zweiten ein Pamphlet gegen die sinnlose Verschwendung der Sprache.

Es erzählt von einem Land, in dem wenig gesprochen wird. Denn die Wörter müssen erst gekauft und sorgfältig verspeist werden, um sie aussprechen zu können.

Subtil vermittelt das Buch, dass schlechte Ausdrucksweisen förmlich auf der Straße (oder ganz bildlich im Müll) liegen, und einem gedankenlose Wörter im Sonderverkauf nachgeschmissen werden. Die echten Schätze liegen jedoch im Verborgenen oder sind nur für teures Geld erwerbbar.

Eine These, die wiederum nachdenklich macht, denn nicht die Quantität macht die Schönheit der Sprache aus, sondern die Qualität. Der vorsichtige Umgang mit großen Wörtern. So ist auch der gedankenlose Überfluss sprichwörtlich für die „Tonne“.

Darauf läuft auch die kleine Geschichte hinaus: Der Junge Paul möchte der hübschen Marie sein Herz in Worten schenken, doch das würde ihn eine Vermögen kosten. Zumal schon die vermögende Konkurrenz lauert, Oskar, Sohn reicher Eltern. Er überhäuft Marie mit schönen Plattitüden. Doch sie sind kaum mehr als das, als Paul Marie seine kostbaren Schätze anbietet, drei Wörter, die er für sie gefunden hat: Kirsche, Staub und Stuhl. Und weil es eine kleine, schöne Parabel ist, gewinnt Paul mit seinen sorgsam gewählten Wörtern Maries Herz.

Großformatig sind großartige Sätze eingefügt. Genauso wie die Aussage des Buches, dass Wörter etwas ganz Besonderes sind, sitzt auch hier jedes einzelne Wort. Ein schönes Geschenk für alle Liebhaber der schönen Sprache.

 

1 Kommentar

Steffi 13. Februar 2014 at 17:50

Das ist ein ganz und gar bezauberndes Kinderbuch, von dem es mittlerweile eine spielerische App gibt, die ich mit meinen beiden Patenkindern immer wieder gerne anschaue. Da kann man ganz spielerisch einen ersten Kontakt zu Buchstaben und Wörtern aufbauen. Wenn sie lesen können, werde ich sicherlich gemeinsam mit ihnen das Büchlein durchlesen.

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