Axel Hacke: Der weiße Neger Wumbaba I – III

Klein, witzig und wumbaba. Alle Kolumnen von Axel Hacke zu den vielen Arten des Verhörens und Versprechens und noch ein paar mehr, gesammelt in einem Band.

Den weißen Neger Wumbaba werden einige von uns bereits kennen, andere schütteln vermutlich verständnislos den Kopf – doch seine Herkunft ist definitiv jedem bekannt. Die letzten Zeilen von „Der Mond ist aufgegangen“ beherbergen

nicht nur weißen Nebel, sondern für manche Hörer auch den wundersamen weißen Neger Wumbaba.

So setzt es sich in einem fort, aus einer Kolumne wurden mehrere und noch viel mehr als die Leser begannen, ihre eigenen Verhörer einzuschicken. Das dreibändige Sammelsurium aller möglichen Hörkuriositäten gibt es auch ganz handlich-praktisch in einem Band.

Was ich ebenfalls ganz wunderbar finde, ist, dass Hacke über den Tellerrand der Liedverhörer hinausblickt. So deckt er auch etymologische Eigenheiten auf (die Hängematte kommt vom hawaiianischen hamaca und nicht etwa von hängen und Matte – tja, siehste mal).
So verhört man sich auch bei Alltagsfloskeln und aus „leichten Schauern“ werden „Leichenschauern“ und Angaben „ohne Gewähr“ sind im Sinne aller Pazifisten „ohne Gewehr“. Es entstehen sagenhafte Gestalten, die selbst den Schwarzen Mann in den finstersten Schatten stellen. Schonmal vom „Kinder-Lehmann“ gehört, der draußen allen unschuldigen Minderjährigen auflauert? Nennen wir das Kind beim Namen, also Polio oder auch „Kinderlähmung“.

Und manchmal verhört sich nicht nur der Mensch, sondern auch die Maschine, bevorzugt die Spracheingabe bei der Telefonauskunft. Wem ist das noch nicht passiert? Und dann schreit man plötzlichl dieses seelenlose Ding an als hätte es einem gerade einen Seitensprung gestanden.

Eine geheime Freude überkommt mich auch, wenn fancy Namen wie Justin, Chantal und Shelly ihr Fett abbekommen, weil ein kleines Schweizer Bübli sich von „Ärschli“ geärgert fühlt. Wer errät’s? Ja genau, damit ist der weltläufige Modename Ashley gemeint. Haha.

 

 

Seine Intention legt Herr Hacke in diesem besonderen Satz dar:

Aufgabe eines Liedtexters ist es nicht, einen besonders schönen Liedtext zu schreiben. Nein, er muss dem Hörer möglichst viele Anknüpfungspunkte bieten, in seinen Ohren einen eigenen Liedtext entstehen zu lassen. Man muss als Schreiber den Menschen Material liefern, damit ihre Phantasie wirken kann.

So bekommt dieser Dreibänder von mir auch die volle Punktzahl, einzig hier ist Vorsicht geboten: Alles hintereinander zu lesen fördert Ermüdungserscheinungen. Also am besten so portioniert zu sich nehmen, wie es schon so wunderbar eingeteilt ist.

Zu guter Letzt noch meine Lieblingsverhörer:

She’s got a chicken to ride.
She’s got a ticket to ride.

Man stelle sich das vor, Hühnchenrodeo statt Hahnenkampf.

Hoch droben schwebt Josef den Engeln was vor.
Hoch droben schwebt jubelnd der Engelein Chor.

Werde in Zukunft viel mehr Spaß bei Weihnachtsliedern haben.

Wo solche spaßigen Verhörer lauern, gibt’s noch mehr also viel Spaß beim Erlesen!

Mehr, mehr, mehr

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