Axel Hacke: Deutschlandalbum

Zwischen Ratlosigkeit und Erheiterung: eine kleine Rundreise durch Deutschlands charmante und seltsame Eigenheiten. Manche sprechen für mich aus der deutschen Seele, für einige bin ich aber wohl noch zu jung oder zu wenig verwurzelt.

Hier kommt mein Pflichtstück Nummer Eins, sage und schreibe, sieben Wochen nachdem ich es gelesen habe. Hätte ich euch jetzt auch verschweigen können.. aber ein bisschen Buße muss dann doch sein, ne.

Doch nun zu Axel Hacke, der mich über eine Buchschenkaktion erreicht hat, von dem ich schon einmal berichtet habe. Vergessen ist es nicht und es wartet auch noch ein buchmäßige Überraschung auf meine durchhaltenden Leser.

Mit Axel Hacke bin ich zuerst über die Süddeutsche Zeitung in Berührung gekommen, in der der freie Journalist wortgewandt und spitzfindig über Das Beste aus aller Welt berichtet und gelegentlich Das Streiflicht aufmischt. Doch da tauchte auf einmal dieses Buch auf und mir wurde bewusst, dass der werte Autor noch so einiges mehr in seinem Wortsetzkasten hat. Mit seinen Büchern hat er es ganz beispielhaft sogar schon in die japanischen Leseherzen geschafft. Eins ist klar: Der Mann hat Humor. Der weiße Neger Wumbaba ist der literarische Vorgänger von Agathe Bauer und stammt aus einer Liedzeile von Der Mond ist aufgegangen. Mehr verrate ich nicht, da müsst ihr eure Synapsen schon selber in Gang bringen.

Im Deutschlandalbum pickt Hacke abstruse Eigenheiten des deutschen Volkes heraus und legt seinen Finger in so manche Wunde. Immer gut lesbar, immer anders und manchmal leider auch nicht mehr nachvollziehbar für mich. Da merke ich schon, dass mir eine deutsche Kindheit in den Achtzigern fehlt, um kräftig mitschmunzeln zu können.

Doch zwei Stilleben haben mich besonders gepackt – die zwinkernde Betrachtung über den deutschen Mann und das Meer. Axel Hacke sieht dieses Bild deutschgeeichter Urkraft tagtäglich Wind und Temperatur vermessen, minutiös auf die Sekunde, allen Sandburgen und eisverklebten Kindern der italienischen Riviera zum Trotz. Hauptsache, die Prognose (und damit der ersparte Urlaubsspaß) stimmt. Als „die Generäle (vor seinem inneren Auge) die Brandung stürmten, vor sich das Meer und hinter sich alles andere“, trieb es auch mir die Lachtränen in die Augen und ich wusste GENAU, wovon der gute Mann da schreibt.

Ein zweites Mal wurde es poetisch und das Wort Stilleben ist nicht so weit hergeholt. Was es ihm so angetan hat? Das Eis. Und, oh Mann, damit spricht er in ein weit geöffnetes Ohr. Eine Ode an das Eis, für so etwas bin ich immer zu haben. Daher auch mein Lieblingssatz.

Eis mögen alle. Ich glaube: Weil Eis von allen Süßigkeiten die kindlichste ist. Man kann es nicht aufbewahren, sich nicht aufheben für morgen, man muss es jetzt essen, hier uns sofort, sonst ist es kein Eis mehr, sondern nur ein Fleck auf dem Boden. Alle Kinder sind Sofortisten, sie ertragen keinen Aufschub.

Zu guter Letzt. Ja, es gibt kleine Kostbarkeiten darin und ich vermute, für jeden eine andere. Manches plätschert in meinen Ohren leider nur etwas nichtssagend dahin – durchweg kann ich das Buch daher nicht empfehlen. Wo es für mich hingehört: An den Strand, wenn einen das Heimweh nach den deutschen Schranken packt oder auch wenn man sich besonders freuen mag, das man ganz weit weg ist.

Mehr, mehr, mehr

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