Bernd Bitzer: girls game

Diesmal: ein Exkurs außerhalb der Buchhandlung.
Auf Bernd und Marlene, ein und dieselbe Person, stieß ich durch Zufall – eine kleine Lesung in einem Kosmetikstudio. Zwei Stunden hörte ich fasziniert dem Autor zu, der mit einer für mich ganz neuen Form der Selbstwahrnehmung konfrontierte. Bernd ist gerne mal Marlene, aber ebenso gern auch Bernd. Er fühlt sich nicht im falschen Körper geboren, sondern zeigt lebhaftes Interesse für beide Geschlechter.
Und nun, das Buch.
Insgesamt ein sehr kurzweiliges Lesevergnügen, das kaum länger als die Lesung dauerte. Man merkt natürlich, dass man ein Debüt vor sich hat, doch das schmälert den Respekt für dieses erste literarische Coming-out keineswegs.
Einen chronologischen Handlungsstrang sucht man vergebens, das Buch besteht aus lose aneinandergereihten Einblicken in die unterschiedlichen Welten von Mann und Frau.
Etwa die Offenbarung, dass eine neue Handtasche dieselben Gefühlstürme wie ein neuer Mercedes auslösen kann. Oder die ersten Erfahrungen mit dem Einparken durch Frauenaugen. Und schließlich die Erkenntnis, dass Brazilian Waxing so garkeine Sonnenseite hat.
Und Bilder ohne Ende, die Bernd und Marlene in einem ganzen Leben zeigen. Denn solange gibt es die beiden tatsächlich schon. Erst in den letzten Jahren gibt es sie auch ganz offiziell.
Enttäuschend mag sein, dass es sehr an der Oberfläche bleibt, auf den ersten Blick hatte ich etwas anderes erwartet. Mehr Tiefgang, mehr Drama. So wenig kann ich mir vorstellen, dass dieser Weg selbst heute in unserer Gesellschaft ganz einfach ist.
Aber die Aussage des Buches ist überraschend heiter. Das Leben ist schön und es muss nicht immer schwer sein. Vielleicht macht gerade das, das Buch zu etwas besonderem.
Mehr von Bernd, und Marlene, gibt es hier.

Mehr, mehr, mehr

3 Kommentare

Chantalle 4. Mai 2012 at 23:08

Lese das Buch immer wieder mit großem Vergnügen. Mir gibt es kraft für meine eigene Situation. Danke Bernd & Marlene

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Frau Erdnussbutter 1. Februar 2012 at 00:38

Hallo Bernd, hallo Marlene 🙂
das ist schön zu hören und eben das, was dieses kleine Buch so besonders macht.. man hängt sich viel zu oft an den schlechten Seiten des Lebens auf.

Hat mich ebenfalls gefreut, die Lesung auch in geschriebener Form aufzunehmen – ein ungewöhnliches Erlebnis!

Viele Grüße zurück,
Frau Erdnussbutter

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Bernd Bitzer 31. Januar 2012 at 09:58

Vielleicht ist unsere Gesellschaft ja schon weiter, als wir ihr zugestehen wollen. Zumindest ich erlebe sie so.

Deshalb keine Tragödie, nicht mal Drama 🙂

Und trotzdem Tiefgang – aber nur im „dramatischen Epilog“. Hier gibt’s mehr davon: http://www.girlsgame.tv

Liebe Grüße von Bernd & Marlene

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