Daniel Kehlmann: Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten.

Serviert mit: MAOAM, Stück für Stück

Dazugehört: das Rauschen der U-Bahn

Ruhm sieht für jeden anders aus. Und genauso verschieden sind die neun Geschichten von Daniel Kehlmann, die in ihrer Kürze gefühlt für jeweils 15 Minuten dieses Thema einfangen sollen.

Alle Erzählungen sind jedoch miteinander verknüpft, teilweise über die Grenzen der Realität hinaus. Romanfiguren erwachen plötzlich zum Leben, Internetruhm greift gierig durch die virtuellen Mauern und ein und derselbe Autor taucht in jedem Kapitel auf.

Interessanterweise geht Ruhm in diesem Buch oft mit Personenverwechslung oder Doppelleben einher. Mit Anerkennung an sich, aufgrund der eigenen Verdienste, haben die Geschichten wenig zu tun. Und wenn doch – wie bei Internetjunkie Mollwitz, der sich in Foren zu mächtigen Meinungen hervortut, auf dem Rednerpodest vor einem greifbaren Publikum jedoch kläglich versagt – zeigt uns Kehlmann in einem Zug die glanzlose Kehrseite.

Ein interessantes Konzept.
Und doch fehlt mir etwas. Berührt oder beschäftigt hat mich keine der Geschichten wirklich.

Kehlmann schreibt nicht immer so, ich erinnere mich an „Die Vermessung der Welt“, die mich mit ihrem subtilen Witz gleich in den Bann gezogen hat.

Vielleicht finde ich keine echte Verbindung zu den Figuren, weil Kehlman anspricht, umreisst und dann schon die nächste Episode erzählt. Dabei sind es keine aktionsstarken Texte, der Schwerpunkt liegt im Innenleben der Protagonisten.

Ich konnte es nicht lassen und habe mir auch andere Rezensionen durchgelesen, weil mich das Buch etwas ratlos zurücklässt und ich nicht so recht wusste, was ich darüber denken möchte. Und plötzlich erschließen sich mir Zusammenhänge, die mir beim Lesen entgangen sind. Auf einmal wird aus dem Gewirr von Geschichten ein einziger, ineinander verflochtener Roman und zum ersten Mal begreife ich den Untertitel.

Ist das nun gut oder schlecht? Ich denke an den Witz, bei dem man die Pointe noch einmal erklären muss. Immer noch schaffe ich es nicht, das Buch für mich persönlich zu werten und ich fürchte fast, das wird sich nie ändern.

Mehr, mehr, mehr

2 Kommentare

mmartin 12. Februar 2013 at 00:43

Wie schon öfter gesagt, eine seelenlose Fingerübung auf dem Klavier der Erzähltechniken. Faszinierend für Computerzombies, die gerne zocken und Türen anklicken, um etwas zu entdecken oder auch nicht.
Keine Literatur, sondern gut gemachter Zeitdiebstahl. Wie Computerspiele eben.

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Frau Erdnussbutter 28. Februar 2013 at 16:58

Harte Worte!
Ich bin nun doch zu einer Entscheidung gekommen- das Buch ist nichts für mich. Obwohl ich mich auch schon gerne durch Computerwelten „gezockt“ habe…

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