Flann O’Brien: Auf Schwimmen-zwei-Vögel

Ein Schachtelroman, der es gleich mehrmals in sich hat. Ganz bestimmt nicht leicht zu lesen oder gar zu verstehen. Typisch irisch und echt gut.

Interessant war schon die Suche nach dem Buch selbst. Nachdem mir ein Kollege  empfohlen hat, nach Pratchett, Adams und Fforde noch ein weiteres Buch in diese Reihe zu stellen, machte ich mich auf die Pirsch nach dem 1939 zuerst erschienenen Buch. Ja, wer jetzt aufhorcht hat recht, offenbar hat schon lang vor all den anderen ein Ire den Wortwitz gepachtet. Schon bei dem Titel war man sich nicht einig, erst in dann auf. Ja, Schwimmen-zwei-Vögel ist wohl eine Insel im Shannon. Aha.

Aber ein paar verständnislos schauende Buchfachverkäuferinnen später hielt ich tatsächlich einen eigenen und quasi neu aufgelegten Band in meinen Händen. Das ganze Buch strotzt nur so von der irischen Sichtweise des Lebens – zumindest so wie man sich diese als Außenstehender eben vorstellt – so auch der Umschlag. Der ist natürlich grün, „denn alle anderen Farben sind des Teufels“.

Ein befremdlicher Anfang breitete sich vor mich aus und ich verbrachte so einige Seiten damit, meinen Kopf auf diese für mich ganz neue Erzählart einzustellen. Plötzlich war da ein „Klick“ und ich war mitten drin auf Schwimmen-zwei-Vögel.

O’Briens Alter Ego erliegt der Überlegung, dass ein Anfang und ein Ende pro Buch entschieden zu wenig sei und entwirft kurzerhand ein Textkonstrukt, in dem gleich mehrere Romane ihren Platz finden. So erzählt er die Geschichte eines Autors, der wiederum eine Geschichte erzählt. Zu seinem Unglück sind die Protagonisten mit deren Fortgang alles andere als einverstanden und kehren den Spieß um.

Wer es kaum erwarten kann, wilde Diskussionen zwischen einer Fee, einem Arbeiterdichter und ein paar lamentierente Iren mitzulesen oder den Mangel an Porter-Poesie festzustellen, der ist hier genau richtig. Diskutieren wird in diesem Buch überhaupt ganz groß geschrieben, und es ist erstaunlich, wen und was man alles wohin- und wegdiskutieren kann. Findet doch einmal genug schlagende Argumente dafür, dass eine Frau kein Känguru ist. Na bitte. O’Brien macht’s möglich.

Ich bin wie ein Punkt bei Euklid, erläuterte die Fee, Position, aber keine Ausdehnung, wissen Sie. Ich wette fünf Pfund, dass Sie keinen Finger auf mich legen können.

In einer fantastisch bildhaften Sprache nimmt uns O’Brien auf eine Tour mit seinen saufenden Iren, voll hochtrabendem und -geistigem Nonsens. Ein echtes Vergnügen, das manchmal an Die drei Kastagnetten aus der Bullyparade erinnert.

Kein Buch, wie man es erwartet. Vielleicht auch nichts für Adams- und Fforde-Fans, möglicherweise jedoch für Pratchetts Anhänger. Das Buch ist so irisch wie die Iren selbst, entweder mag man sie – oder eben nicht.

 Als seine fünf Sinne zu Dermot Trellis zurückkehrten, kamen sie nicht miteinander, sondern einzeln, in Intervallen. Sie kamen, jeder mit seinen eigenen Qualen, und saßen unbehaglich am äußeren Rande seines Geistes, als wären sie jederzeit bereit, ihn wieder zu verlassen.

Ein kleines Lob übrigens noch an den hervorragenden Übersetzer Harry Rowohlt, den vielleicht so manche als Penner Harry aus der Lindenstraße kennen.

Mehr, mehr, mehr

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