George R.R. Martin: Die Dunkle Königin (8)

Wo sind die Männer hin? Ein Band, bei dem es um das schöne, das böse, das schwache Geschlecht geht. 

Wie in der letzten Rezension schon angekündigt, lässt sich Martin ein halbes Buch Zeit, bevor er richtig loslegt. Kein Wunder also, dass die Bewertungen für den gesamten (Original-)Band Nummer 8 nicht gerade euphorisch sind.

Aber fairerweise muss man sagen: Dieser Band ist besser. Hier türmen sich die Ereignisse auf, die sich davor nur vage angekündigt haben und es passiert ENDLICH etwas.

 Die Frauen reißen in dieser zweiten Buchhälfte die Geschichte an sich, während man auf andere Charaktere vergeblich wartet. Cersei intrigiert, weniger munter, eher verbissen, stärker als je zuvor hinter dem Königsthron. Ganz klassisch Cherchez la femme und im Sinne der klassischen Tragödie, verlassen und verraten von all ihren Männern. Ihre eigentliche Verachtung legt sie ganz in einen Satz:
Männer sind solch kolossale Narren. Sogar jene, von denen es in tausend Jahren nur einen gibt.
Ganz anders Arya, deren Unerschrockenheit zwar so manchem Mann die Schamesröte ins Gesicht treiben könnte, die aber doch genau den Wert echter Verbündeter zu schätzen weiß.
Sansa, die mit ihren Schicksalsschlägen tatsächlich gewachsen ist, befindet sich nun scheinbar in Sicherheit, doch man ahnt, dass irgendwo ein Unheil lauert. Gut ist, dass dort draußen eine große starke Frau durch Westeros zielstrebig nach ihr sucht. Die Kriegerin Brienne gehört eindeutig in Martins Meisterkabinett. Man leidet mit ihr, bemitleidet sie und hat zugleich einen gewaltigen Respekt.
Hier ist es wieder: Martins Stärke, Figuren zu zeichnen, so dass jeder Pinselstrich sitzt. So etwas vermisst die Fantasywelt häufig. Während hauptsächlich Damenwahl ist, wirft er gelegentlich einen Blick in die Runde und schaut flüchtig auf ein paar andere Charaktere wie Samwell und Jaime, doch kaum genug, um sie tatsächlich in die Geschichte hineinzuholen. Schon ist das Buch auch vorbei und man blickt gespannt nach vorn.

Mehr, mehr, mehr

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