George R.R. Martin: Sturm der Schwerter (5)

Weiter geht es mit der großartigen Saga um die Fantasywelt von George R.R. Martin. „Großartig“ schreibe ich und meine es auch, denn im fünften Band (wohlgemerkt, die erste Hälfte des dritten Originalbandes) erlebt man so einige Überraschungen, die eine besondere Spezialität Martins sind.

Mystik und dunkle Magie spielen nun eine tragende Rolle. Nicht nur bei Daenerys, der Drachenkönigin, die aus der Ferne ihre Pläne schmiedet und dabei eine Spur des Feuers und der Vernichtung hinter sich lässt. Auch an Stannis Baratheons Seite steht nun Melisandre, eine mysteriöse Priesterin, die in ihm ihren reinkarnierten Gott des Lichts sieht. Dass es dabei äußerst dunkel zugeht und Stannis bald ihren übernatürlichen Kräften ausgeliefert scheint, bestimmt unter anderem den Fortlauf der Geschichte.

Davos, aus dem Gefolge Stannis, der diese Veränderung bemerkt, erzählt nun aus seiner Sicht. Als ehemaliger Schmuggler, der Hoffnung auf wenig Ehrerweisungen aus königlicher Hand hatte, wird er trotz all seiner Zweifel an Melisandre und ihren Machenschaften, auf seine Seite gezogen – als neue Hand des Königs.

Samwell, der in seiner Tollpatschigkeit an einen anderen Sam aus einem fernen Land erinnert, ist der loyale Gefährte von Jon Schnee und bekommt in diesem Band seine eigene Erzählperspektive. Unfreiwillig zum Dienst an der Mauer verbannt, weil sein Vater die Schande nicht ertragen wollte, ihm Titel und Ländereien zu vererben, schleicht er als das typische Opfer durchs Leben. Bis er auf Jon Schnee und in ihm einen echten Freund trifft. Auch hier tritt wieder etwas „Fabelhaftes“ auf die Bühne: Als er einem Anderen begegnet, passiert ihm schließlich etwas völlig Unerwartetes.

Fast jeder Wechsel zwischen den Erzählsträngen geht mit einem Cliffhanger einher. Tot, nicht tot, das fragt man sich des öfteren in diesem Buch und mir schwant schon so einiges für den folgenden Teil.

Catelyns Charakter gewinnt immer mehr meine Sympathie, nun, da sie denkt, dass nur noch zwei ihrer Kinder leben, klammert sie sich mit letzter Kraft (und davon hat sie erstaunlich viel) an den Rest ihrer Familie.
Dabei schlagen sich Arya, Bran und Rickon ihren ganz eigenen Weg durch Westeros. Bran auf dem Rücken Hodors und mit dem verzweifelten Wunsch, endlich fliegen zu lernen wie die dreiäugige Krähe. Rickon verchwindet erstmal aus der Geschichte, nachdem sich die Wege der beiden Geschwister als Sicherheitsmaßnahme trennen.

Arya ist wilder und entschlossener als je zuvor, nicht nur heim nach Winterfell zu finden, sondern auch die Geschichte auf ihre Weise zu beeinflussen. Mein ganzes Leserherz schlägt für diese kleine, mutige Persönlichkeit, die sich mit zwei Gefährten durch Westeros kämpft.

Vater- und mutterlos findet Jon Schnee hinter der Mauer als Spion zwischen den Wildlingen viel Wärme – bei Ygritte, einer Wildlingfrau.

Und dann entspinnt sich noch eine erstaunliche Geschichte zwischen dem schönen Königsmörder Jaime und der nicht-so-schönen Kriegerin Brienne, die ihn gegen Catelyns Töchter eintauschen soll. Endlich erfährt man mehr über seine Vergangenheit und erliegt der Versuchung, sich auf seine Seite zu schlagen.

Schließlich noch ein Wort zu Tyrion. Dem missgestalteten Königssohn wird in diesem Band übel mitgespielt. Ein unglaublicher Lebenswille, aber auch eine traurige Schicksalsergebenheit prägen seinen Charakter und machen ihn noch faszinierender. Letztendlich hat auch er jemanden in seiner Hand, eine Wendung, die man so nicht erwartet hat.Es ist schwer, den Pathos dieses Epos wiederzugeben, ohne zuviel zu verraten – doch soviel kann man sagen: Es warten immer noch mehr Überraschungen auf euch.

Mehr, mehr, mehr

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