George R.R. Martin: Zeit der Krähen (7)

Ein angefangener Spannungsbogen. Am besten das Folgebuch gleich parat halten, um die Enttäuschung wegzulesen. Manchmal sollten sich deutsche Verleger vielleicht doch überlegen, was sie da eigentlich tun.

So, nun muss ich es endlich einmal tun – die letzten drei gelesenen Martins zu rezensieren habe ich ein wenig vor mir hergeschoben. Dabei hatte ich mit Irland die beste Kulisse überhaupt für den Fantasy-Epos. Aber die Handlungsstränge verfeinern und verwirren sich immer mehr, Figuren verschwinden, Charaktere tauchen an anderen Stellen wieder auf – es ist nicht nur ein Spiel der Throne sondern auch der Synapsen.
Besonders schwer ist es aber, diese Bücher zu rezensieren, ohne dabei zuviel zu verraten (was mir auch einen bitterbösen Kommentar auf Amazon beschert hat…ach, heul doch!). Deshalb versuche ich, nicht mehr als Wikipedia zu verraten und trotzdem tiefer in die Bücher einzutauchen… wer sich jetzt noch traut, darf gern weiterlesen.

Die Zeit der Krähen hat etwas von diesen kleinen Styroporkugeln, die in jedem großen Versandkarton hausen und deren Namen keiner kennt. Füllstoff, der irgendwie nur im Weg ist, ohne den es aber auch nicht geht.

Zugegeben, das klingt ordentlich abwertend. Aber wer begeistert von Martins vorausgegangener Literatur ist, wird es verstehen. In Amazonsternen gesprochen, bekommt das Buch immer noch drei Sterne von mir, das ist von meiner Toleranzwarte für ihn aber auch nicht gerade viel. Ihr seht, ich schwanke zwischen „nun ja, es geht eigentlich“ und „muss das jetzt sein?“. Aber vielleicht gibt es dazu ja nicht mehr zu erzählen?

Nun, doch.
Fassen wir es zusammen. Die Magie hält jetzt mit wehenden Fahnen Einzug in Martins Welt. Wo vorher nur hier und da ein Funken Zauberei zu erahnen war, glimmen nun Obsidiankerzen und tauchen mysterlöse Schattenpropheten auf.

Es tauchen neue Figuren auf, die sich hinter Bezeichnungen wie der Hauptmann der Wache oder der befleckte Ritter verstecken und erst nach einiger Zeit ahnt man, wen man da eigentlich vor sich hat. Hier greift Martin wieder in seine Trickkiste voller Stilfiguren, die seine Werke kennzeichnen. Dazu gehört auch, dass die Erzählstränge nun, zeitlich gesehen, völlig auseinanderdriften. Was zuerst aus der Not geboren scheint, ist auch wieder einer seiner Kunstgriffe. Man mag so schon sein Urteil über eine Figur gefällt haben – doch kaum ist sie an der Reihe, verschwinden die Schatten und man kommt wieder ins Überlegen. So ganz können die Zweifel jedoch nicht immer ausgeräumt werden. Es verändern sich tatsächlich verändern auch einige Charaktere, bei denen man es eher nicht erwartet hätte.

Ich muss übrigens gestehen, dass ich inzwischen jaimeloyal bin. Und, nein, das ist kein Spoiler, das muss man einfach selbst erlebt haben.

Doch nach dem Folgeband, der im Original ja die zweite Hälfte des Buches ist, wird klar, dass hier der Spannungsbogen aufgebaut wird, der sich in Die Dunkle Königin weiter entfaltet. Immerhin darf man also gespannt sein.Zu guter Letzt noch…

Wenn es leicht wäre, täte es jeder. Man muss gehen können, ehe man rennt.

Das sagt der Gütige Mann zu Arya, die nun endlich eine Richtung auf ihrem bisher ziellosen Weg findet. Da taucht sie auch wieder auf, diese beliebte Geschichtszutat: Kleines schwaches Kind wächst über sich hinaus und in die Rolle eines Helden hinein.
Aber weil es George ist und weil er es so fantastisch erzählt, verzeiht man und genießt. Überhaupt ist Arya eine meiner Lieblingsfiguren, die stur ihren eigenen Weg geht und dabei trotzdem eine solch ungeheure Loyalität an den Tag legt, wie sie einen mit echten und Fantasiehelden verbindet.

Mehr, mehr, mehr

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