J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Die Gefährten. (Hörbuch)

Grandios, unerreicht, einzigartig. Mit welchen Worten kann man Tolkiens Meisterwerk überhaupt gerecht werden? 

Nebel, der langsam aufsteigt und zwischen den Bäumen hängen bleibt, weite, taunasse Wiesen und in der Ferne die aufgehende Sonne.. Nein, ich rede nicht vom Alten Wald, sondern vom Rosensteinpark in Stuttgart.

Es klingt seltsam, aber wer mutterseelenallein durch den morgendlichen Park läuft und dabei Tolkiens Herr der Ringe im Ohr hat, wird mir rechtgeben: irgendwie ist da auch ein bisschen Mittelerde.

Quelle: http://9-eyes.com/post/20985228642
Manchmal glaube ich sogar, dass ein Hauch Magie im Spiel ist. Als die Gefährten gerade durch die Tore Morias stürzten, war am Neckar noch eitel Sonnenschein – doch später als eines der traurigsten Ereignisse eintritt bei dem Gandalf von dem Balrog in die Tiefe und aus dem Buch gerissen wird – kam aus dem Nichts ein Wolkenbruch auf mich herab. Da soll mir noch einer mit 3D kommen.Ihr glaubt mir nicht? Bittesehr, die Hügelgräber, in Stuttgart als Schwanenplatz getarnt:



Keine Frage, dass ich das Buch und die Filme schon länger kenne. Wiederlesen (oder -hören in diesem Fall), das ist wie Heimkommen. Auf jeder Seite begegnet man alten Freunden und vergessenen Gefahren. Manchmal musste ich spontan schmunzeln weil mir gerade wieder einfiel wie es gleich weitergehen würde. Ein Buch mit den Ausmaßen einer Bibel, kilometerweise Filmmaterial, endlos viele Hörstunden – wie kann es sein, dass bei so einem großen Werk selbst kleinste Details unvergessen bleiben?
Die Antwort ist einfach: weil es mit viel Liebe geschrieben wurde.
Ganz gleich, welchen Satz man sich aus dem Herr der Ringe herausgreift, jeder einzelne unter ihnen ist perfekt geschliffen. In jedem Wort steckt der heitere Charme des Auenlandes, die ehrwürdige Wucht der Elbenstädte und das düstere Grauen aus Mordor. Nie hat man das Gefühl über belangloses Füllmaterial hinwegzulesen, ein weiteres unnötiges Hindernis auf dem Weg zum Ziel. Man kann tatsächlich zu einer Plattitüde greifen und sagen: Der Weg ist das Ziel. Wie oft begegnet man eigentlich einem Autor, dem so etwas gelingt? Vor allem bei einem so langen Weg…
Kurz: Der kleinste Teil ist wie das große Ganze. Eigentlich erstaunlich, dass es bei soviel Auswahl kein bisschen schwerfiel, den einen, besonderen Satz zu finden.
Das Letzte, was Pippin sah, bevor er einschlief, war die schattenhafte Gestalt des alten Zauberers wie er auf dem Boden saß und mit seinen knorrigen Händen zwischen den Knien einen glimmenden Span abschirmte.

Und warum nun dieser Satz? Frodo kommt ja nicht darin vor, wird wohl so manchem durch den Kopf schießen. Ganz genau. Der kleine Hobbit hat sicherlich eine der wohl bedeutensten Figuren des Epos, aber ebenso auch seine Freunde, die bedingungslos und grundloyal zu ihm stehen. Für mich definiert Der Herr der Ringe den Begriff wahrer Freundschaft.

Hinzu kommt Gandalf, die wohl facettenreichste Gestalt, vielleicht noch eingeholt von Dumbledore. Der große Zauberer tut, was er immer macht: seine schützende Hand über die
kleinen und großen Gefährten halten. Und dabei genüsslich ein Pfeifchen rauchend.

Und nicht zuletzt: Habe ich nicht gerade von diesen wunderbar perfekten Sätzen erzählt?

Gelesen wird das grandiose Buch von keinem Geringeren als Gandalf selber, zu deutsch Achim Höppner. Leider wird es immer beim ersten Teil bleiben.

Ein fantastisches Buch, gelesen von einer exzellenten Stimme, was begehrt das geschichtenverliebte Herz noch mehr? Natürlich eine ganz außergewöhnliche Geschichte.

Und damit schließe ich – für alle, die ihn noch nie gelesen, gehört oder gesehen haben (und das schleunigst nachholen sollten) – mit einer kleinen Zusammenfassung, die dem Buch nicht im geringsten gerecht werden wird. Sagt nicht, ich habe euch nicht gewarnt.

Im Auenland herrscht eitel Sonnenschein, nichts kann das gemütliche Alltagsleben der Hobbits aus der Ruhe bringen. Nichts und niemand außer einer von ihnen, Bilbo Beutlin.
Er ruft zu seinem Geburtstag Dutzende und Aberdutzende Hobbits zusammen, feiert ein rauschendes fest, wie es das friedliche Auenland noch nie gesehen hat, und…verschwindet plötzlich.

Er hinterlässt viele ratlose Artgenossen und einen, der mehr weiß. Doch bald stellt sich heraus, dass auch Frodo nicht mehr ungestört sein wird. Denn ihm überlassen hat Bilbo ein Mitbringsel aus früheren Tagen der Abenteuer (Der Hobbit), einen Ring.
Wie könnte es auch anders sein: Es ist ein Ring, der mehr als nur ein wenig Unglück in sich trägt, nein, vielmehr die Vernichtung und Unterdrückung von ganz Mittelerde.

Nun nehmen die Ereignisse ihren unerbittlichen Lauf, Frodo muss aus dem Auenland fliehen und findet dabei unerwartet Gesellschaft. Und plötzlich sind vier Hobbits auf dem Weg nach Bruchtal, um den Ring an höhere Autoritäten weiterzugeben. Doch dazu wird es nie kommen und unterwegs kommen noch so einige mehr oder weniger getreue Gefährten hinzu. Bereit, Frodo die Last in die Hände des Feindes zu seiner Vernichtung tragen zu helfen. Ein Zwerg, ein Elb, zwei Menschen, ein Zauberer und vier Hobbits.

Das ist doch tatsächlich der Stoff, aus dem gute Erzählungen gemacht sind. Und das ist ist erst der Anfang.

 

 

 

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