Jasper Fforde: In einem anderen Buch.

Ihr erinnert euch, den ersten Band, bei dem die Literaturagentin Thursday Next in Jane Eyre eintaucht, habe ich schon rezensiert. Alle anderen hole ich gern nochmal ab in die Parallelwelt, die nur auf den ersten Blick wie unsere scheint.

Thursday Next jagt nicht nur skrupellose Fälscher und gewöhnliche Ghostwriter, im Debüttitel kam ihr auch prompt das personalisierte Böse in die Quere: Acheron Hades. Er scheint auf den letzten Seiten besiegt und doch schwebt sein Schatten damoklesgleich In einem anderen Buch über ihr. Frisch vermählt ist sie nur kurz, denn plötzlich wird ihr Angetrauter von der Goliath Corporation genichtet, sprich rückwirkend schon als Kind eliminiert, und das junge Glück hat ein jähes Ende.

Nun hat sie ein Gabe, die wir auch aus Tintenherz von Cornelia Funke schon kennen – sie kann sich in ein Buch hineinlesen. Und zwar wortwörtlich. Dieses Talent gilt es zu vervollkommnen, damit sie einen Auftrag für Goliath durchführen kann.

Wer könnte ihr da besser helfen als die ewige Jungfer Miss Havisham aus Charles Dickens Große Erwartungen? Von der spröden, aber doch heimlich netten Matrone wird sie in die Jurisfiktion eingeführt, die hohe Kunst des Bücherspringens und Überführens literarischer Verbrecher.

Nebenbei steht auch der Weltuntergang wieder mal auf der Tagesordnung, den es abzuwenden gilt. Doch für Miss Next ist das gerade das kleinste Problem. Die Frage, die sich zuletzt stellt: Neppt Goliath sie erneut oder hält das Bürokratentum sein Versprechen, ihren Ehemann zurückzuholen?

Zwischen wilden Zeitsprüngen, fantastischen Irrfahrten durch große Klassiker und rasante Begegnungen mit Romanfiguern gefällt mir Ffordes Werk immer besser.

Sprachlich natürlich kein Douglas Adams und auch im Unterhaltungswert noch nicht in diesen Galaxien angekommen, aber trotzdem eine spannende Lektüre, die mir zusehends ans Herz wächst. Besonders das offene Ende hat es mir angetan – wohl, weil ich weiß, dass es gleich weitergehen wird.

Mehr, mehr, mehr

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