Leonie Swann: Garou.

Ausgelesen. Und das noch vor der Buchmesse, zu der ich in einem anderen Post auch noch ein paar Worte verlieren werde.

Während des Schmökerns im Schafkrimi habe ich mir schon überlegt, wie ich wohl am besten über das wollige Werk berichten soll. Natürlich darf eine Inhaltsangabe nicht zu kurz kommen – aber auch an Stimmung soll es nicht mangeln.

Die Schafe, die wir schon aus Glennkill kennen, ermitteln wieder. Diesmal grasen sie auf französischem Boden (Und hier fragt man sich, wie kommen britische Schafe nach Frankreich? …das darf der Leser aber selber herausfinden.), der von einem Werwolf bedroht wird. Ein Werwolf? Ja richtig. Das passt garnicht so richtig in eine Hommage (Schaffage? Moutonage?) an Agathie Christie, will man meinen. Und richtig, so kann es auch nicht ausgehen. Trotzdem ist es nicht minder spannend.

Am Anfang dauerte es, bis ich in das Buch hineinkam, es kam mir zunächst sogar äußerst träge vor – im Gegensatz zum Debüt. Zum Glück sollte ich mich aber irren, denn am Ende kam ich vor lauter Lachen manchmal nicht mal mehr einen Satz weiter.
An ein paar der schäfischen Perlen will ich euch nun aber unverblümt teilhaben lassen (ja, ich verkneife mir die Biologismen gleich).

Zum einen, die wundervolle Perspektive, die so ein vierbeiniges Wollknäuel auf uns haarlose Zweibeiner hat:

Die Menschen sahen nicht die Dinge die da waren, sondern die Dinge, von denen sie dachten, dass sie da waren. Meistens dachten sie zu wenig an Schafe. Und wenn sie auf etwas trafen, das sie nicht denken konnten, waren sie hilflos wie die Lämmer.

 

…oder auf den Rest der Welt:

„Und weißt du, worauf das hindeutet?“ Mama machte eine dramatische Pause.
„Auf etwas Übernatürliches!“
Die Schafte schwiegen beeindruckt. Übernatürlich! Noch natürlicher als natürlich! Gras war natürlich, Kraftfutter nicht ganz so natürlich und Plastik war gar nicht natürlich und fast ungenießbar. Etwas Übernatürliches hingegen musste eine wahre Delikatesse sein!

Womit wir beim Essen, beim Schlemmen und Genießen wären. Und der naiven Weisheit, die allen genussorientierten Wesen anheftet. Wie Obelix. Oder Garfield.

Der heilige Strohsack war ein ganz besonderer Strohsack, der von Rebecca nur bei wichtigen Gelegenheiten angerufen wurde. Die Schafe hatten ihn noch nie gesehen, aber sie konnten ihn sich sehr gut vorstellen; prall und groß und golden und duftig.

Ein bisschen gemütlich und abenteuerscheu sind sie auch, gerade so als würde ein kleiner Hobbit in einem jeden von ihnen sitzen und nachdenklich mit den behaarten Zehen wackeln. Und wir wissen ja alle: Hobbits sind das Geheimrezept für erfolgreiche Epen.

„Und wir suchen den Garou!“, sagte sie.
Die Schafe machten lange Gesichter.
Suchen – na gut!
Finden wollte den Garou keines von ihnen.

 

Wenn Leonie Swann bildlich wird, dann macht sie es richtig. Dann sitzen die Vögel fett und trotzig in den Zweigen und alle Dinge werfen lange, dünne Schatten. Wenn mir nicht Ranickis rollendes, kritisches Geschnarre mahnend im Kopf kreisen würde – möchte ich fast rufen: Alleine schon für solche Sätze werden Bücher geschrieben! Aber Marcel sagt, und damit hat er recht, es braucht mehr. (und dass er den Preis nicht annimnt. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Das ist ok, denn die Autorin kann mehr. Zum Beispiel, jedem Schaf eine ganz eigene, liebenswerte Persönlichkeit verpassen.

Mopple sah nicht hin. Ein winterkahler, europäischer Ginsterbusch, der seinen Namen kannte? Die Sache gefiel ihm nicht. Was würde als Nächstes kommen? Er sah sich schon in wilde Diskussionen mit einem Büschel Dicklippkraut verstrickt.

Und Dialoge, das kann sie besonders gut.

„Es ist eine Frage von vor vielen, vielen Jahren“, flüsterte Amaltée.
„Mindestens fünfen“, sagte Kalliope.
Die drei jungen Ziegen schauderten angesichts der gewaltigen Zeiträume.

Zum krönenden Abschluss. So sieht ein Date mit etwas Alkohol aus Schafssicht aus:

Rebecca und der Häher hatten sich in einem der vielen Räume niedergelassen, saßen auf plüschigen Dingen und tranken übel vergorene Flüssigkeit.

Wer es nicht schon längst geahnt hat, dem gebe ich es jetzt schriftlich: Prädikat lesenswert!

Mehr, mehr, mehr

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