Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Chroniken

Ich lebe schon seit vier Jahren in einer WG. Eine krasse Umstellung nach einer ebenso langen Zeit allein in einer eigenen Wohnung. Mitbewohner kamen und gingen und waren mehr oder weniger kompatibel.

In der WG-Wildbahn beobachtet, drängten sich dabei gelegentlich gewisse Vergleiche aus der freien Natur auf. Aber wie ist es, wenn man mit einem echten Känguru zusammenlebt? Dazu noch einem kommunistischen?

Marc-Uwe Kling beschreibt diese nicht gerade alltägliche Situation (zumindest nicht hier im gesitteten Süden) und treibt einem dabei die Lachtränen in die Augen. Dieses Buch ist insbesondere ein Schmaus für die Ohren, bei mir hat sich die Wirkung beim Anhören voll entfaltet.

Obwohl ich gestehen muss, dass ich die über-euphorische Empfehlung meines Kollegen nicht gleich nachvollziehen konnte, bekommen jetzt alle Leser mit einem Funken schwarzen Humors meine uneingeschränkte Empfehlung. Mich ereilte nämlich recht bald der Rapante-Effekt*. Wer Rene Marik kennt, weiß, wovon ich rede. Wer nicht, der lese die Fußnote.

Da macht also ein unverblümtes Beuteltier die Enklave des Kleinkünstlers zur neuen Spaß-WG und schon jagt ein Kalauer den nächsten. Ob es nun auf die wahnwitzige Idee kommt, eine endlos lange Not-To-Do-Liste aufzustellen, die es immer bei Nichtgefallen der aktuellen Situation zitiert, oder das Wort ‚Tier‘ im Johannes-Evangelium durch ‚Bier‘ ersetzt. Auch seine unkontrollierten Wutanfälle und die Fähigkeit, aus jeder Fliege eine Staatskrise zu machen, strapazieren die Lachmuskeln enorm. Und dann erst die falsch zugeordneten Zitate.

Eine kleine Kostprobe:

Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. Silvio Berlusconi
Das Känguru hat trotz seiner Verwirrtheit eine recht genaue Vorstellung davon, wie andere in den Wahnsinn zu treiben sind. Zum Beispiel durch die schlimmsten Kalauer. Gerlinde gesagt, fehlt hier die Po Ente. Mich beschleicht beim Zuhören ein sehr wohliges Gefühl von Fremdfreude – ungefähr das Gegenteil des Fremdschämens. So wie bei Calvin & Hobbes. So ein lustiges Kind, aber wenn es meins wäre, würde es seinen siebten Geburtstag nicht mehr erleben…

Mehr, mehr, mehr

2 Kommentare

Steffi 13. April 2013 at 22:05

Hab das Buch mal in der Hand eines Lesers entdeckt und danach gleich auf meine Wunschliste gesetzt. Scheint, dass auch ich mir das Hörbuch holen muss. Jetzt hast du mich nämlich neugierig gemacht. =)

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Frau Erdnussbutter 16. April 2013 at 17:13

Ja, ich kann es nur empfehlen! Und wie es scheint, ist der dritte Teil, „Die Känguru-Offenbarung“ wunderbarerweise auch gerade in der Mache:

http://www.youtube.com/watch?v=ZBpaFqE5NGU

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