Niklas Luhmann: Liebe. Eine Übung.

Kleiner Pragmatismus für mutige Verliebte.

Dieser schmale, rote Band kommt unschuldig wie ein Geschenkbuch daher – doch wer nach leicht verdaulicher, oder leicht verschenkbarer Lektüre sucht, ist hier falsch. Für ein Seminar Luhmanns war dieses Werk die theoretische Grundlage, das es aus seinem Nachlass in eine Veröffentlichung geschafft hat. Dass „Liebe. Eine Übung“ in den wilden Siebzigern entstanden ist, hat ungefähr so wenig mit dem Inhalt gemein, wie der einladend rote, Einfachheit vermittelnde Einband.

Luhmann ist nicht der verständlichste unter allen Soziologen. Hier wird seine Grundargumentation in wenigen, kaum ausschweifenden Seiten auf den Punkt gebracht. Und tatsächlich so, dass man ihr folgen und sie verstehen kann.

Um Gefühle geht es hier nicht. Vielmehr wird die Liebe seziert, decodiert, bis ins Innerste zerlegt. Das passiert eben, wenn ein Systemtheoretiker das Gefühl aller Gefühle auseinandernimmt. Theoretische kann man sich kaum damit auseinandersetzen. Und doch tut dieser Pragmatismus in all seiner Nüchternheit gut, eine geerdete Abwechslung zu all der verklärten Literatur da draußen, die sich mit den fünf gewichtigen Buchstaben schmückt. Liebe ist für Luhmann kein Gefühl, sondern ein Kommunikationsmedium, das wir uns gemeinsam angeeignet haben, um uns ein bisschen weniger zu bekriegen. Und: Was Liebe ist und sein soll, wissen wir nicht unbedingt aus unserem Innersten, sondern oft aus Büchern, Filmen, Erzählungen.

Nur die Liebenden selbst können ihre Liebe verstehen.

Eine Übung ist es allemal. Für all die Romantiker und puderrosa Verliebten da draußen. Und für alle, die es schnell und leicht mögen. Zum Glück kann Luhmann auch ganz, ganz leichte Sätze:

Liebe wird auf sich selbst angewandt, ehe sie sich ein Objekt wählt. Man liebt das Lieben und deshalb einen Menschen, den man lieben kann.

 

Mehr, mehr, mehr

Schreibe einen Kommentar