Paul Bokowski: Hauptsache nichts mit Menschen

Die ganz gewöhnliche Berliner Woche eines polnischen Auswandererzöglings – portioniert in handlichen Glossen.

Paul Bokowski, der seinem früheren Ich niemals seinen Beruf erklären könnte (Lesebühnenautor und Vorleser), beglückt jetzt auch Selbstleser mit Geschichten aus seinem furiosen Alltag in der Hipsterhauptstadt.

Manche Witzelei ist aufgrund der Lokalität vielleicht nur Berlinern geläufig, trotzdem hat mich der gute Mann öfter zum Schmunzeln und ein paar Mal sogar zu herzhaftem Lachen gebracht.

Ob tiefsinnige Gespräche mit seiner Nachbarin Frau Brohm, der verzweifelte Versuch, seinen geliebten Wedding vor geiernden Hipstern zu bewahren, die danach trachten, dort Wellnessbäckereien und Yogazentren zu unterrichten – langweilig wird einem bei diesem Büchlein so schnell nicht (dazu ist es aber auch zu kurz).

Rhetorische Spitzfindigkeiten über Lärmbelästigung im Halbschlaf treffen auf die Eigenheiten der Ostblockerziehung (die auch ich erleiden durfte, daher: alle Sympathiepunkte für Sie, Herr Bokowski!).

Das ist bei polnischstämmigen Menschen wie mir so eine Art Pawlow´scher Reflex. Immer wenn man als Pole in eine lebensgefährliche Situation kommt, verspürt man den tiefen innerlichen Drang, sich erst mal frische Unterwäsche anzuziehen.

Gewiefte Verzögerungstaktiken von Abgabeterminen, Verwirrung über die Internetkompetenz der eigenen Eltern oder rhetorische Abschiedsbriefe und Nachrufe – der Mann gibt sich beim Glosseschreiben nicht lumpen. Auch gut: die empirische Auswertung des menschlichen Sexualverhaltens anhand von pornösem Material oder gar die Feststellung, dass der Erste Weltkrieg durch den gezielten Einsatz von Holzkohlegrills hätte verhindert werden können.

Nur homophoben Lesern ist das Werk vermutlich nicht zu empfehlen – so mancher ehrliche Blick durchs Schlüsselloch erlaubt hier ganz klar keine Zimperlichkeit.

Zu guter Letzt. Ja, ich bin eigentlich kein Fan von „witzigen“ Büchern. Aber Paul Bokowksi schreibt gewitzt und eloquent, Mario Barth kann da getrost weiter in der Wortkanalisation rumkrebsen. Daher ein kleines, nette Büchlein, das zwar keine literarischen Hochansprüche erfüllt (und teilweise noch ein wenig rumdebütiert), aber wirklich eine gute Unterhaltung ist.

Lieber Thomas, jetzt habe ich mich doch entschieden: Falls ich wirklich an den unmittelbaren Folgen meiner Mandel-Operation dahinscheiden sollte, so möge der folgende Satz auf meinem Grabstein zu lesen sein: Paul Bokowski. Kann Spuren von Mandeln enthalten.

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