Richard David Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

„Eine faszinierende Reise in die Welt der Philosophie“, so wird Prechts Buch allerorts angepriesen. Ich möchte das „faszinierend“ durch „schnell“ ersetzen und vor „Reise“ ein fettes „Kurz“ stellen.

Ich frage mich nur, was ist der Sinn solcher Werke? Es ist ja löblich, dass Precht versucht, die Philosophie, in Verbindung mit Erkenntnissen der Hirn- und Verhaltensforschung, jedem nahezubringen, doch was wird letztendlich damit erreicht? Vieles wird angesprochen, im Gröbsten angerissen und der fälschliche Eindruck erweckt, nach dieser Lektüre bestens bewandert auf allen Gebieten zu sein.

Was kann ich wissen, was soll ich tun und was darf ich hoffen? Mit diesen Fragen wird das Buch dreigeteilt. Systematisch geht Precht an das Sezieren der einzelnen Themen. Schnell, anschaulich und wortgewandt bringt er sie auf den Punkt. Was durch dieses rasante Verfahren verloren geht, ist der wichtigste Teil der Philosophie an sich: die gedankliche Auseinandersetzung und schließlich die Erkenntnis selbst.

Das Buch ist für mich daher ein nichtgelungener Spagat zwischen der Herausforderung, die großen Fragen des Lebens einem breiten Publikum verständlich zu machen und dem Anspruch auf Vollständigkeit.

Ich möchte trotzdem eine Lanze für den Autor brechen, weil er es versucht, es meiner Meinung nach aber schlichtweg nicht möglich ist. Hier stellt sich natürlich die Frage, warum dann überhaupt dieser Ansatz? Eine Frage, auf die man leider keine charmante Antwort findet.

Für eine gelungene Sprache und das gezielte Heranführen an viele wichtige Kernthemen gibt es dann doch ein paar Pluspunkte. Mit der Gewissheit, einen oberflächlichen Streifzug durch die wichtigen Fragen des Lebens zu vollziehen, kann das Buch getrost gelesen werden. Ansonsten würde ich eher davon abraten.

Mehr, mehr, mehr

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