Robin Thiesmeyer: Es gibt mehr Sterne als Idioten

Lebenshilfe in Buchform. Kommt auch deutlich billiger.

Dürfte ich in meinem Leben nur noch ein Buch verschenken, wäre es dieses hier. Entstanden aus einem Twitter-Account, aus der Feder eines ehemaligen Werbetexters,  entblättert sich endlich ein charmantes Werk voll bitterböser, zutiefst poetischer Illustrationsstilleben. Ich war ein bisschen sehr glücklich als ich in einem Buchladen meines Vertrauens ganz unverhofft über die Buchwerdung von meta_bene stolperte.


 

Robin Thiesmeyer lässt Tiere sprechen, nicht Menschen. Und so wird aus der Schwalbe ein einsilbiger Alltagsphilosoph, die Schabe kafkaesk und der Pinguin zum Dreiviertelmelancholiker. Jedes Tier hat fabelhaft (Vorsicht, Kalauer) seinen eigenen Charakter, seine eigene Moral, die es uns gnadenlos predigt, erzählt, ersinnt. Im Endeffekt, meint er, kommt der Humor doch daher, dass Tiere sprechen. So kann man das auch sehen. Ich finde, es ist sogar noch ein bisschen mehr. Feintuschig seziert der Künstler das Leben, pointiert, wo es wehtut und bringt uns anders zum Lachen als wir es erwarteten.  Interessant, dass er über sich selbst sagt, mit seinen Zeichnungen negative Erlebnisse aufzuarbeiten. Das macht er offensichtlich so gut, dass sich die heilsame Wirkung direkt auf den realismusgeplagten Leser überträgt.

 

 

Und nun finden sich seine Twitterwerke feinsäuberlich selektiert und gesammelt, in einem sehr geschenktauglichen Werk wieder. Doch, Achtung: Geschenk ist nicht gleich Geschenk. Man achte darauf, dass der Leser auf jeden Fall über genug Selbstreflektion verfüge. Dann kann meta bene so richtig seine geballte Kraft entfalten. Den lockeren Strich aus dem Handgelenk hat er sich aus der japanischen Tuschezeichnung entlehnt, der tiefschwarze Humor kommt ganz aus ihm selbst. In diesem charmanten Interview erzählt er übrigens warum, wieso und weshalb.

„Einer ist eine Erzählung. Zwei ein Roman. Drei ein Drama.“


 

Mehr, mehr, mehr

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