T.C. Boyle: Schluss mit cool

Portionierte Freakshow mit Amerikas Eigenheiten und gesellschaftlichen Abgründen. 

Ich mag ihn einfach, diesen Thomas Coraghessan Boyle mit seinem seltsamen Namen, der wie die Faust aufs Auge passt. Er schreibt abgrundtief ehrlich, setzt gezielt seine Spitzen und belichtet die Wahrheit schonungslos über – ohne dabei pessimistisch zu sein.

Meine Hände fühlten sich groß und ungelenk an, als hätte man sie mir erst beim Hereinkommen an die Arme getackert, und das Sportjackett flatterte mit den Schößen und bohrte mir seine Klauen in den Nacken.

In „Schluss mit cool“ reihen sich Kurzgeschichten auf, die mal bürgerliche Schicksale, mal düstere Zukunftsvisionen heraufbeschwören. Wie das bei solchen Sammlungen ist, gibt es auch hier Lieblinge und Pflichtlektüre.

In Torschlusspuder nimmt eine mitleidig-belächelten Schwärmerei mit kleinbürgerlichen Romantik-Attitüden plötzlich eine überraschende Wendung. In Nicht zimperlich verteilt sich die Dominanz in einer Beziehung plötzlich neu – und endet bitterböse. Guten Flug: Eine lästige Flugreise macht die Protagonistin für die berüchtigten 10 Minuten zur Überheldin, nach der Landung ist jedoch wieder alles wie zuvor, das Leben geht weiter.

Manchmal ahnt man das eigentlich überraschende Ende schon im Voraus, gerade weil sich dieser kleine Dreh zum Schluss als durchgehendes Stilmittel zeigt. Mit satirisch-bösen Stichen punktiert Boyle das Bild vom amerikanischen Gutbürger. Er zeigt, wie aus einem gewöhnlichen Leben in kürzester Zeit eine fürchterliche Farce werden kann.

Alles in allem ein unterhaltsames Werk, schön aufgeteilt in gerade verträgliche Portionen. Nicht gerade „Boyle at his best“, aber lesenswert.

 

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